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Bewerbungstipps: Gehaltsvorstellungen in der Bewerbung angeben

Interview mit Dr. Bernd Slaghuis – Karriere- und Business-Coach

„Bewerben Sie sich unter Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung und frühestmöglichem Eintrittstermin.” Diese Formulierung steht heute in fast jeder Stellenausschreibung und bereitet Bewerbern oft Kopfzerbrechen. Wie ermittelt man überhaupt seinen eigenen Marktwert und wie formuliert man dann die Gehaltsvorstellung? Tipps dazu gibt Dr. Bernd Slaghuis, Karriereund Business-Coach aus Köln.

Zunächst einmal: Ist es notwendig, die Gehaltsvorstellung in der Bewerbung anzugeben?

Ja, wenn in der Stellenausschreibung die Angabe der Gehaltsvorstellung gewünscht ist, dann solltest du darauf im Anschreiben unbedingt eingehen und dein gewünschtes Bruttojahresgehalt beziffern. Ich kenne Personaler, die Bewerbungen sonst aussortieren. Falls es die Ausschreibung nicht verlangt oder du dich initiativ bewirbst, dann solltest du besser auf die Gehaltsangabe verzichten und dieses Thema erst im gegenseitigen Gespräch persönlich klären.

Wie ermittele ich als Absolvent und Berufseinsteiger meinen Marktwert?

Es ist erst einmal wichtig zu verstehen, dass die Gehaltsangabe in der Bewerbung noch keine finale Gehaltsverhandlung ist. Arbeitgeber möchten erkennen, ob ein Bewerber selbst ein Gefühl für seinen Marktwert besitzt. Wer sich zu billig verkauft, kommt als verzweifelter Bittsteller rüber, wer bei einer Einstiegsposition 100 Tsd. Euro aufruft, der dürfte ebenso raus sein. Es gibt heute im Netz etliche Tariftabellen oder Statistiken zu Gehältern für verschiedene Berufe, Branchenund Regionen. Auch einige Jobbörsen geben zu Positionen Werte zum durchschnittlich erwarteten Jahresgehalt an. Und vielleicht hilft dir auch ein Gespräch mit deinen Eltern oder Freunden, um zu einer realistischenEinschätzung zu kommen. Auch wenn wir in Deutschland ungern übers Geld sprechen, in diesem Fall solltest du es tun, um insbesondere als Berufseinsteiger Informationen zu sammeln und dir so ein Bild zu machen.

Welches Gehalt kann ich als Werkstudent fordern?

Werkstudenten fallen unter die Regelungen des Mindestlohns, damit beträgt der niedrigste Lohn aktuell 9,19 Euro pro Stunde (ab 2020: 9,35 Euro), viele Arbeitgeber zahlen jedoch auch darüber hinaus. Werkstudenten dürfen (im Semester) maximal 20 Stunden pro Woche arbeiten, so dass dies ein Gehalt von mindestens 735 Euro brutto im Monat ergibt. Auch hier gilt: Erkundige dich bei Kommilitonen oder Freunden, welche 19 Stundenlöhne realistisch sind und mache dir auch bewusst, ob dir nicht der Fuß in der Tür bei deinem künftigen Wunscharbeitgeber oder die praktischen Erfahrungen, die du dort als Werkstudent sammelst, wichtiger sind als nur die Höhe deines Gehalts im Nebenjob.

Wie formuliere ich die Gehaltsvorstellung im Anschreiben?

Ich empfehle Bewerbern einen einfachen Satz kurz vor dem Abschluss ihres Anschreibens, wie etwa „Meine Gehaltsvorstellung liegt bei … Tsd. Euro im Jahr.“ Da ich für Klarheit in der Bewerbung bin, rate ich von der Angabe einer Gehaltsspanne ab. Durch die offene Formulierung „liegt bei“ signalisierst du, dass es sich um einen Wert mit Verhandlungsspielraum handelt. Pokere im Anschreiben lieber etwas höher und gib bei der Verhandlung im Gespräch nach, statt mit einem zu niedrigen Wert auf den Markt zu gehen.

Und wie verhalte ich mich schließlich in einer Gehaltsverhandlung am besten?

Warte als Bewerber im Vorstellungsgespräch ab, bis die Frage nach dem Gehalt von der Arbeitgeberseite angesprochen wird. Ist dies nicht der Fall und die Höhe des Gehalts ist für deine Jobentscheidung wichtig, dann kannst du das Thema gegen Ende des Gesprächs auch von dir aus ansprechen. Je bewusster du dir über den Wert deines Studiums sowie vielleicht erster Berufserfahrungen bist und umso mehr Informationen du im Vorfeld gesammelt hast, umso selbstbewusster kannst du auftreten. Überlege dir vorher auch, wie niedrig deine persönliche Schmerzgrenze ist, gib diese jedoch nicht zu schnell preis. Ich weiß aus vielen Coachings, dass das Geld auf dem Konto für die meisten Arbeitnehmer nicht alles ist. Überlege dir daher auch, welche anderen Gehaltsbestandteile wertvoll für dich persönlich sind, etwa die Anzahl der Urlaubstage, das Abo im Fitness-Club, das freie Nahverkehrs-Ticket oder betriebliche Zuschüsse zur Altersvorsorge. Ein Vorstellungsgespräch ist das Gespräch über gegenseitige Vorstellungen. Besprich offen, was dir alles im Job besonders wichtig ist und welche Rolle das Gehalt dabei spielt. Vielleicht ist es ja auch eine perspektivische nach definierter Zeit und an bestimmte Ziele gekoppelte Gehaltsentwicklung, die für beide Seiten am Ende eine gute Lösung ist.

Weitere Informationen rund um Bewerbung und Karriere findest du auf der Website von Dr. Bernd Slaghuis und dem zugehörigen Karriere-Blog:
www.bernd-slaghuis.de

Karriereplaner - Ausgabe: SoSe 2019