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Bastian Hughes

Die 5 häufigsten Bewerbungsmythen

und was an ihnen dran ist

Sind Lücken im Lebenslauf für Personaler:innen ein K.O. Kriterium? Spoiler: Nein! Wer online nicht sichtbar ist, ist quasi unsichtbar? Jein! Es gibt einige Bewerbungsmythen, die sich seit vielen Jahren hartnäckig halten und viele Bewerber:innen verunsichern. Dabei sind die meisten davon schlichtweg nicht mehr zeitgemäß.

Wenn du dich aktuell in der Bewerbungsphase befindest, dann ist dir bestimmt schon der ein oder andere Mythos begegnet. Nach diesem Artikel weißt du was der Wahrheit entspricht und was heutzutage Unsinn ist.

Hier kommen meine fünf Lieblingsmythen:

1. „Eine Lücke im Lebenslauf ist ein Ausschlusskriterium“
Nein! Wir meinen, dass Lücken im Lebenslauf eher als negativ angesehen werden. Allerdings sind Lücken völlig normal. Außerdem steckt hinter jeder Lücke eine Geschichte. Dazu aber gleich mehr. Eine Lücke im Lebenslauf kann auch durchaus positiv sein. Wenn man eine große Reise und spannende Erfahrungen dabei gemacht hat, zum Beispiel. Die Lücke im Lebenslauf kann auch zeigen, dass man sich Zeit genommen hat, um sich auf seine Karriereziele zu konzentrieren oder um seine Prioritäten im Berufsleben zu überdenken. Auch Krankheit oder familiäre Verpflichtungen können sich hinter einer längeren Auszeit verbergen. Aber ab wann gilt eine Lücke als Lücke? Zunächst einmal sollte eine Lücke in deinem Lebenslauf nur dann Erwähnung finden, wenn sie länger als 6 Monate gedauert hat. Alles was darunter liegt brauchst du nicht explizit zu erwähnen, da Personaler:innen wissen, dass zwischen Schule und Studium oder zwischen Studium und erstem Job ein paar Monate vergehen können.

Übrigens, wenn du eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommst, dann ist die Lücke (egal wie lange sie auch gedauert hat) in deinem Lebenslauf erstmal kein Thema. Gehe allerdings davon aus, dass du im Gespräch auf die Lücke angesprochen wirst. Wir erinnern uns – hinter jeder Lücke steckt eine Geschichte, daher ist das Wichtigste jetzt Plausibilität. Mache dir im Vorfeld Gedanken darüber, wie du die Lücke im Lebenslauf darstellst und welche Erfahrungen und Kompetenzen du mit dieser Lücke verbinden kannst.

Für Arbeitgeber sind Lücken interessant und sie wollen wissen, was du in der Zeit gemacht hast. Daher empfehle ich dir mit Lücken offen umzugehen, denn sie sind ein Teil von dir und haben dich zu dem Menschen gemacht, der du heute bist.

2. „Das Anschreiben ist das wichtigste Dokument in der Bewerbung“
Das Anschreiben oder auch Motivationsschreiben wird fälschlicherweise gerne als wichtigstes Dokument in einer Bewerbung genannt. Es zeigt dem Arbeitgeber nicht nur deine Rechtschreibfähigkeiten, sondern auch dein eigenes Verkaufstalent. Ein Anschreiben zeigt, wie sehr man sich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt hat, in dem man sich bewirbt und gibt Bewerber:innen die Möglichkeit, aus der Anzahl an Bewerbungen herauszustechen. Dennoch, Nein! Es ist nicht das wichtigste Dokument in einer Bewerbung!

Laut einer Studie von StepStone, einem der größten Anbieter für Stellenanzeigen, ist das wichtigste Dokument einer Bewerbung der Lebenslauf. Rund 90 Prozent der Unternehmen schauen sich als erstes den Lebenslauf von Bewerber:innen an. Warum? Mindestens zwei Elemente kommen in jeder Stellenausschreibung vor. Die Aufgaben und die Anforderungen. Personaler:innen gleichen diese mit den Angaben aus deinem Lebenslauf ab. Sie nennen das „Matching“. Der Lebenslauf ist deswegen das wichtigste Dokument, weil sich Auflistungen einfacher miteinander vergleichen lassen als der Fließtext in deinem Anschreiben. Achte daher bei deinem Lebenslauf darauf, auch die Anforderungen und die Aufgaben aus der Stellenausschreibung in deinem Lebenslauf wiederzugeben. Dann ist die Einladung zum Vorstellungsgespräch so gut wie sicher

3. Recruiter:innen informieren sich in den sozialen Medien über die Bewerber:innen
Dieser Mythos ist teilweise wahr. Heutzutage ist es durchaus üblich, dass Recruiter:innen und Personalverantwortliche sich im Rahmen des Bewerbungsprozesses auf Online Business Netzwerken wie LinkedIn oder Xing über Bewerber:innen informieren, denn dadurch können sie sich ein besseres Bild von den Fähigkeiten, Erfahrungen und Interessen machen. Das tun sie in den meisten Fällen allerdings erst dann, wenn es zu einer Einstellung kommt. Studien haben allerdings gezeigt, dass dies bei Einstiegspositionen so gut wie nie vorkommt.

Außerdem unterliegt eine solche Recherche in vielen Ländern bestimmten Datenschutzgesetzen, das heißt nicht alle Informationen, die in den sozialen Medien einsehbar sind, dürfen von Personaler:innen in ihrer Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.

Was Instagram, TikTok und Co. betrifft, werden diese Profile allerdings nicht geprüft. Unter anderem auch deswegen, weil in diesen Kanälen selten der echte Name angegeben wird und außerdem, Personaler:innen wissen, dass es einen Unterschied zwischen Privat- und Berufsleben gibt.

Wenn du dich jedoch im Bereich Social Media bewerben möchtest, dann empfehle ich dir, deine Profile mit anzugeben, weil du dadurch auch zeigen kannst, wie weit du dich schon mit Social Media auseinandergesetzt hast.

4. Nur, wer dem Anforderungsprofil entspricht, sollte sich bewerben
Ganz klares Nein! Ein Anforderungsprofil in einer Stellenbeschreibung ist häufig eher eine Art Wunschliste von Arbeitgebern als eine Checkliste und den meisten Arbeitgebern ist das auch bewusst. Ein Anforderungsprofil ist eine Liste von Qualifikationen, Erfahrungen und Fähigkeiten, die für den jeweiligen Arbeitgeber für die jeweilige Stelle wichtig sind. In der Praxis erfordern die meisten Stellen eine Vielzahl von Erfahrungen und Fähigkeiten, die neben dem gewünschten Anforderungsprofil ebenfalls wichtig sein könnten. Um genau zu wissen, was wirklich wichtig ist, solltest du nach Formulierungen wie „zwingend erforderlich“ oder „Voraussetzung“ schauen. Begrifflichkeiten wie „wünschenswert“, „gerne“ oder „von Vorteil“ zeigen, dass diese Anforderungen nicht zwingend erforderlich sind.

Lass dich darüber hinaus auf keinen Fall von Softskill-Begriffen wie „Durchsetzungsstark“, „sicheres Auftreten“ oder „Teamfähig“ verunsichern. Auch wenn du im ersten Moment denkst, dass du diese Eigenschaften vielleicht nicht hast, zeigt sich erst im Vorstellungsgespräch was mit diesen Eigenschaften genau gemeint ist bzw. wofür diese gebraucht werden. Dann kannst du immer noch entscheiden, ob der Job zu dir passt.

Übrigens: Deborah Dudda-Luzzato vom Bundesverband der Personalmanager (BPM) ist der Meinung: Wer auch nur 70 Prozent der geforderten Skills mitbringt, sollte sich auf die Stelle bewerben. Daran würde sich auch die Mehrheit der Personaler:innen orientieren. Solange die Basis stimmt, stehen die Chancen also gut.

5. Hobbys gehören nicht in die Bewerbung
Doch! Natürlich ist es eher kontraproduktiv, wenn du in deiner Bewerbung für das vegane Restaurant erwähnst, dass du jeden Monat mit deinen Freund:innen auf Hasenjagd gehst. Freizeitaktivitäten sind Privatsache. Es kann allerdings sinnvoll sein, deine Hobbys zu erwähnen, wenn sie relevante Erfahrungen oder Fähigkeiten demonstrieren. Du hast fünf Jahre die örtliche Pfadfindergruppe geleitet? Sehr gut, denn damit kannst du Teamfähigkeit, Organisationsgeschick und erste Führungserfahrung nachweisen. Du betreibst seit einigen Monaten Aquascaping zuhause? Das klingt nach besten Voraussetzungen für eine Stelle im gestalterischen oder kreativen Bereich. Wenn du in deinem Hobby Kompetenzen und Stärken einsetzt, die auch für den Job interessant sein könnten, dann ist es sinnvoll, diese in deine Bewerbung mit aufzunehmen. Nenne in deiner Bewerbung aber nicht Hobbys, die du eigentlich gar nicht hast, damit sie gut in der Bewerbung aussehen. Gehe immer davon aus, dass Personaler:innen dich auf deine Hobbys ansprechen. Hobbys in der Bewerbung? Ja! Solange sie nicht provozieren oder polarisieren und einen sinnvollen Bezug zur Stelle haben, auf die du dich bewirbst.

Das waren die fünf häufigsten Mythen rund um die Bewerbung. Wenn du dich heutzutage bewirbst, bist du dank des Fachkräftemangels kaum noch an Regeln gebunden. Die Bewerbung kann heutzutage sogar formlos per Direktnachricht via WhatsApp oder Instagram erfolgen und für viele Unternehmen ist heutzutage auch kein Anschreiben mehr erforderlich. Prüfe allerdings im Vorfeld, ob das Unternehmen diese Formen der Bewerbung akzeptiert. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen Bewerbungen und alles Gute für deinen Berufseinstieg.

Über den Autor:
Bastian Hughes ist Experte für Karriere und Bewerbung. Er war über 10 Jahre als Recruiter in mittelständischen Unternehmen und Konzernen tätig. Seit 2017 arbeitet er als Bewerbungs- und Karriere-Coach, Trainer und hat den Weiterbildungsanbieter „Berufsoptimierer“ gegründet. „Berufsoptimierer“ begleitet und unterstützt Menschen in allen Bereichen ihrer Karriere mittels Coaching, Live-Webinaren und dem wöchentlich erscheinenden gleichnamigen Podcast. Seine Vision ist: „Einen Ort zu schaffen, an dem Menschen sich beruflich und persönlich weiterentwickeln können, um mit dem erfolgreich zu sein, was Ihnen am meisten Spaß macht.“

Weitere Informationen rund um Bewerbung und Karriere findest du unter:
www.berufsoptimierer.de
Instagram @berufsoptimierer
Linkedin.

Karriereplaner - Ausgabe: SoSe 2023