Allgemein
Studieren an der Goethe-Universität
Bewerbungstipps
Schwerpunkte
Jobmessen
Buchtipps
Unternehmensporträts
Selbst-Check
zurück zu "Bewerbungstipps"
Bastian Hughes

So präsentierst du dich authentisch im Vorstellungsgespräch und überzeugst deine Gesprächspartner

Du hast dich dazu entschieden, diesen Artikel zu lesen, somit gehe ich davon aus, dass du eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalten hast. Herzlichen Glückwunsch!

Wie geht es jetzt weiter, nachdem du die erste Hürde genommen hast?

Du recherchierst nach Tipps zu Vorstellungsgesprächen und findest in den einschlägigen Foren die 100 schwierigsten Fragen und die perfekten Antworten darauf. Zudem findest du Ratschläge, wie du sitzen, atmen und dich bewegen sollst. Aber ist das authentisch?

Keinesfalls! Sobald du vorgefertigte Antworten auswendig lernst, dich auf eine besondere Form der Körperhaltung konzentrieren willst und genau darauf achtest, wie du was sagst, bist du überhaupt nicht authentisch. Darüber hinaus hilft dir die Recherche nur bedingt weiter, denn danach weißt du lediglich, was die schwierigsten Fragen der Personaler sein könnten, aber nicht wie du individuell darauf antworten kannst. Zudem ist jedes Vorstellungsgespräch anders und nicht alle Personaler folgen demselben Leitfaden. Dein potentieller Arbeitgeber möchte dich kennenlernen und keine auswendig gelernten Floskeln hören.

Dein Ziel im Vorstellungsgespräch sollte sein, deine Gesprächspartner von deiner Kompetenz zu überzeugen und dabei darfst du authentisch bleiben.

In diesem Artikel gebe ich dir die wichtigsten Tipps, damit dein Vorstellungsgespräch ein voller Erfolg wird, ohne dich zu verstellen.

BEI EINEM VORSTELLUNGSGESPRÄCH GEHT ES NICHT UM DAS WAS, SONDERN UM DAS WIE

Im Vorstellungsgespräch treten die Fakten (z.B. Studieninhalte, Abschlussnote, Praktika), also das „WAS“ in den Hintergrund, denn aufgrund des „WAS“ bist du eingeladen worden.

Es geht hauptsächlich um das „WIE“. Denn deine Gesprächspartner möchten herausfinden, ob du ins Team und zur Position passt. Daher stellt sich dein Gegenüber unter anderem die folgenden Fragen:

Durch diese gezielten Fragen möchten deine Gesprächspartner eine Vorstellung darüber erhalten, wie du dich in bestimmten beruflichen Situationen verhalten würdest. Aus diesem Grund helfen dir auswendig gelernte Antworten aus einem Ratgeber nicht weiter.

Du überzeugst am besten mit deinen persönlichen Erfolgen, denn daraus lassen sich deine Stärken, Kompetenzen, Talente und dein Fachwissen ableiten und belegen. Ich empfehle dir, dich mit genau diesen persönlichen Erfolgen auseinander zu setzen. Denn, je besser du deine „Erfolgs-Stories“ kennst, desto überzeugender kannst du auf die oben genannten Fragen antworten. Und das Beste: Du kannst deine „Erfolgs-Stories“ vorbereiten und bist im Gespräch authentisch!

SO FINDEST DU DEINE ERFOLGS-STORIES

Du suchst nach Situationen in deinem Leben, die für dich eine Herausforderung dargestellt haben und die du gemeistert hast. Nimm dir Zeit um zu reflektieren, was du erlebt und wie du dich in dieser Situation verhalten hast. Du solltest Beispiele finden, die einfach zu verstehen und für jeden nachvollziehbar sind. Wenn es zu kompliziert wird, kann es passieren, dass deine Gesprächspartner dir nicht mehr folgen können.

Diese drei Schritte helfen dir dabei, Beispiele zu finden:

Schritt #1 – Überlege dir: Dieses Problem habe ich gelöst!

Du hast es bestimmt schon mehrfach in Stellenanzeigen gelesen: „Problemlösungskompetenz“ – Prima! Eine Kompetenz, die wir alle haben, denn wenn wir uns mit einem Problem konfrontiert sehen, dann suchen wir dafür eine Lösung.

Für den Einstieg in deine Erfolgsgeschichte brauchst du also zunächst ein Problem, welches du in der Vergangenheit gelöst hast. Um dieses Problem noch mit etwas „Drama“ zu würzen, empfehle ich dir, auch noch über die Erschwernisse nachzudenken. Denn durch diese Erschwernisse wird dein Problem noch mal besonders deutlich.

Schritt #2 – Zeige auf: Das habe ich getan um das Problem zu lösen.

Jetzt geht es darum, WIE du das Problem gelöst hast. Was hast du zuerst getan, als dieses Problem aufgetreten ist? Mit wem hast du gesprochen? Hast du dir zunächst einen Überblick verschafft und den Status Quo analysiert? Liste nun Schritt für Schritt auf, was du gemacht hast. Du beschreibst jetzt, wie du vom Problem zur Lösung gekommen bist. Mein persönlicher Tipp: Um diese Situation zu üben kann es dir helfen, deine „Erfolgs-Stories“ einem Freund oder einer Freundin zu erzählen. Dabei ist es wirklich wichtig, dass ihr beide vereinbart, dass diese Person jeden einzelnen Schritt von dir kritisch hinterfragen darf. Dadurch wappnest du dich nämlich zum einen für tiefergehende Fragen des Personalers und zum anderen kannst du sicher sein, dass dein Gegenüber die Geschichte auch richtig versteht.

Schritt #3 – Mach‘ dir klar: Diese Stärken habe ich gezeigt.

Jetzt kommt der Teil, der dir einen „Selbstbewusstseins-Boost“ gibt.

Du überlegst dir auf Basis deiner „Erfolgs- Story“ welche Kompetenzen und Stärken sich daraus ableiten lassen. Anschließend fragst du auch deine Freundin bzw. deinen Freund welche Stärken sie/er aus der Story ableitet. Dies ist der wichtigste Moment der ganzen Übung, denn andere sehen Stärken, die du vielleicht gar nicht wahrnimmst.

Ich gebe dir ein Beispiel an die Hand: Du warst kurz vor der Abschlussarbeit, doch auf den letzten Seiten hat dein Computer aufgegeben. Als Student/in konntest du dir natürlich nicht einfach einen neuen Rechner leisten, weshalb du einen anderen Weg gehen musstest. Da auch deine Kommilitonen alle ihren eigenen Rechner brauchten, konntest du auf ihre Unterstützung leider nicht zurück greifen.

Was hast du also getan: Nach dem sich die anfängliche Panik gelegt hatte, hast du dich an den alten Laptop deiner Eltern erinnert, der im Keller vor sich hin staubte. Das Gerät war mittlerweile in die Jahre gekommen, doch nach dem du den Rechner wieder flott gemacht hast, konntest du deine Arbeit fertig stellen. Zum Glück hast du deine Abschlussarbeit in weiser Voraussicht immer in einer Cloud gespeichert, so dass du von überall darauf zugreifen konntest.

Das Ergebnis dieser Story ist, dass du mit deiner Abschlussarbeit pünktlich zum vereinbarten Abgabetermin fertig geworden bist. Als Stärken ließe sich unter anderem daraus ableiten, dass du gut mit unvorhergesehen Situationen umgehen kannst, du pragmatische Lösungen findest und dir autodidaktisch schnell neues Wissen aneignen kannst. Du hattest zuvor noch keinen Rechner wieder flott gemacht und es gab keinen anderen Weg als dich zunächst mit der Theorie auseinander zu setzen, um zu verstehen wie du einen Rechner wieder flott machst. Mit dem speichern deiner Abschlussarbeit in einer Cloud kannst du vorausschauendes Denken beweisen.

Überlege dir vor dem Vorstellungsgespräch besser mehrere Stories, denn der Personaler wird dir auch mehr als eine Frage stellen. Mit dieser Vorgehensweise hast du einen Großteil der Vorbereitung bereits abgeschlossen.

Und warum ist gerade der letzte Teil der Übung ein enormer „Selbstbewusstseins- Boost“ für dich? Viele Bewerber fühlen sich bei Vorstellungsgesprächen an eine Prüfungssituation erinnert und sind dadurch besonders nervös und aufgeregt. Häufig besteht die Angst davor, etwas nicht zu wissen oder einen Blackout zu haben.

Wie der Name „Erfolgs-Stories“ schon sagt, erinnerst du dich an deine Erfolge. Also an Situationen, in denen du bewiesen hast, welche Stärken, Fähigkeiten und Kompetenzen dich ausmachen.

Was sagt das über die Überzeugung von dir selbst aus?

Letztendlich kannst du nur überzeugen, wenn du auch von dir selbst überzeugt bist. Das zu wissen, gibt dir die Sicherheit und nimmt dir möglicherweise auch die Nervosität vor dem Vorstellungsgespräch.

Ich wünsche dir viel Erfolg und vor allem Spaß bei deinem nächsten Vorstellungsgespräch!

Über den Autor:
Bastian Hughes ist Experte für Karriere und Bewerbung. Er war über 10 Jahre als Recruiter in mittelständischen Unternehmen und Konzernen tätig. Seit 2017 arbeitet er als Bewerbungs- und Karriere-Coach, Trainer und hat den Weiterbildungsanbieter „Berufsoptimierer“ gegründet. „Berufsoptimierer“ begleitet und unterstützt Menschen in allen Bereichen ihrer Karriere mittels Coaching, Live-Webinaren und dem wöchentlich erscheinenden gleichnamigen Podcast. Seine Vision ist: „Einen Ort zu schaffen, an dem Menschen sich beruflich und persönlich weiterentwickeln können, um mit dem erfolgreich zu sein, was Ihnen am meisten Spaß macht.“

Weitere Informationen rund um Bewerbung und Karriere findest du unter: www.berufsoptimierer.de, Instagram @berufsoptimierer und auf Linkedin.

Karriereplaner - Ausgabe: SoSe 2020