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Interview mit Tilmann Köllner

Moderator, Redakteur, Sprecher, DJ, Musikberater, Musiker.
Die Fragen stellte Jessica Kuch

Wie wird man eigentlich Radio-Moderator? Tilmann Köllner, YOU FM und 1LIVE Radio-Moderator mit Wortwitz und Charme sowie DJ mit Leidenschaft und Elan, ist Amerikanistik und Politologie Absolvent der Goethe-Universität Frankfurt und berichtet über seinen Berufseinstieg im Rundfunk.

Was hast du wann studiert und was war das Thema Deiner Magisterarbeit?
Nach einem Jahr „Work & Travel“ in Australien und einem Sprachkurs in Madrid habe ich 2002 angefangen, in Frankfurt Anglistik zu studieren, erstmal auf Lehramt, dann habe ich aber bald auf Magister gewechselt, da ich merkte, dass man mit einem Magister Abschluss mehr Spielraum hat und ich beruflich Richtung Journalismus und Musik gehen wollte. Als zweites Hauptfach hab ich dann Politologie dazu genommen, um auch etwas „Handfesteres“ zu machen und um mich auf dem Gebiet weiter zu bilden. Hier konnte ich dann Scheine machen, die mir einen Quereinstieg in Theater-, Film- und Medienwissenschaften (TFM) ermöglicht haben. Im April habe ich Anglistik mit der Magister-Zwischenprüfung abgeschlossen und dann im Januar 2009 meinen Magister in TFM und Politologie mit der Note 1,1 gemacht. Ich war, soweit ich weiß, der letzte Magister-Jahrgang, danach gab es dann nur noch Bachelor und Master. Thema meiner Abschlussarbeit war „Das Ende der Stille – der Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm“. Das war insofern sehr interessant, weil es viel um Musik ging, was mich damals schon sehr beschäftigt hat und auch gesellschaftspolitische Aspekte eine Rolle gespielt haben.

Wie und wann kamst du zum Rundfunk?
Den Einstieg zum Rundfunk habe ich einem Kollegen zu verdanken, der heute bei hr2 arbeitet. Bei ihm besuchte ich damals ein Seminar in Anglistik (er war als Gastdozent an der JWG-Uni tätig) und fragte ihn nach meiner Zwischenprüfung, ob es beim Hessischen Rundfunk (HR) Studentenjobs gäbe. Er gab mir eine Kontaktadresse und so fing ich dann 2005 als studentische Aushilfe bei hr1 an: Sendepläne bestücken, O-Töne schneiden und kleine Moderationstexte zu Musiktiteln und Künstlern verfassen. Das war dann irgendwann schon ziemlich zeitaufwändig mit Arbeit und Uni parallel, zumal sich auch noch meine Band „Wagner Love“ gut entwickelte und wir einen Plattenvertrag beim Major Label EMI bekamen. Da war ich dann also arbeitender Student und tourender Musiker – wir tourten 2008 durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und 2009 dann auch durch Japan, parallel schrieb ich in Nachtschichten Hausarbeiten sowie die Magisterarbeit und arbeitete immer, wenn es ging, beim HR. Nach dem Uni-Abschluss wechselte ich dann zu YOU FM und arbeitete, nach einem mehrwöchigen Traineeprogramm, erstmal als Redakteur und Reporter.

Hast Du eine Fortbildung/Weiterbildung zum Moderator gemacht?
Eine Weiterbildung oder Ausbildung als Moderator habe ich nicht gemacht – bei YOU FM haben sie mich irgendwann gefragt, ob ich nicht Lust hätte, die Sendung, die damals noch „myyou-fm.de Soundcheck“ hieß, zu moderieren. Ich hatte Lust, aber da ich vorher nie moderiert hatte, hieß das: Üben, üben, üben! Und so stand ich Nächte und Wochenenden im Studio und habe das Moderieren geübt. Die ersten Demos wurden dann auch erstmal schön in der Luft zerrissen, sie machten mir aber Mut weiterzumachen, weil sie Potenzial darin sahen und irgendwann hatte ich sie dann auch überzeugt und bekam die Sendung. So ist das auch generell in der Branche – man bewirbt sich nicht einfach irgendwo und wird dann „out of the blue“ Moderator, man muss dafür einfach selbst aktiv werden, Demos machen und Material zusammenstellen, um Menschen davon zu überzeugen, dass sie einen dann ans Mikro lassen. Seitdem bekommen wir öfter Moderationscoachings um die eigene Performance im Sinne des jeweiligen Senders zu verbessern.

Was sind Deine Themenschwerpunkte bei YOU FM?
Die ersten Jahre habe ich bei YOU FM als Reporter und Redakteur für unterschiedliche Strecken – Nachmittag, Morningshow, Weekend etc. – gearbeitet, seit 2011 dann als Mo- derator. Zunächst habe ich sonntags das einstündige oben genannte Magazin mit Musik aus der Region (Hessen) moderiert, dann war ich erst Springer für das Format für neue Musik „YOU FM Sounds“ und habe das dann ab 2013 regelmäßig mit einer Kollegin im Wechsel gemacht, immer von Sonntag bis Donnerstag. Hier ging es dann nur noch um Musik, Hauptsache neu, egal welches Genre und ständig waren Interviewpartner, also Bands und Künstler zu Gast. Und da kommt dann wirklich irgendwie jeder mal vorbei, von internationalen Stars wie Ariana Grande über die Fantastischen Vier bis hin zu Elektro-DJs wie Zedd.

Was moderierst Du jetzt bei 1LIVE und wann kann man Dich immer hören?
Bei 1LIVE moderiere ich jetzt mit meiner Kollegin Franziska Niesar die Musiksendung „1LIVE Plan B“ – auch hier geht es um neue Musik jeder Art und um alles, was an Musik schön und wichtig ist. Zum Beispiel beschäftigen wir uns in der Rubrik „Sample Service“ damit, wo Künstler von heute sich bei Songs aus der Vergangenheit bedient haben. Auch hier kommen ständig internationale und hochkarätige Gäste vorbei, die ein neues Album draußen haben oder sonst irgendwie was mitzuteilen haben. Die Sendung läuft Montag bis Donnerstag von 20 – 23 Uhr auf 1LIVE oder auch weltweit im Stream auf 1LIVE.DE.

Wie bereitest Du Dich auf eine Sendung vor und wie hoch ist der Zeitaufwand?
Das ist schwer zu sagen, eigentlich höre ich immer irgendwie Musik, lese viel, surfe viel im Netz, sodass es schwierig ist zu sagen, was Arbeit ist und was Freizeit. Offiziell starten wir um 15 Uhr mit der Vorbereitung für die Sendung, die dann am selben Tag um 20 Uhr läuft, aber oft muss man auch vorher schon Alben gehört oder recherchiert haben, um gut aufgestellt zu sein.

Welcher Radiogast hat dir am meisten imponiert und warum?
Auch das ist schwer zu sagen, weil alle unterschiedlich sind und sich manchmal ein völlig unbekannter Gast zu einem unfassbar spannenden Gesprächspartner entwickelt und man da wahnsinnig viel mitnimmt. So war das zum Beispiel neulich bei Ben Bridwell, dem Frontmann von „Band of Horses“.
Am meisten aufgeregt war ich aber sicherlich vor meinem Interview mit Rap-Star Wiz Khalifa, den ich im Backstage-Raum in der Festhalle getroffen habe. Das ist schon sehr spannend, mit jemandem zu sprechen, der auf der ganzen Welt bekannt ist, der über 14 Mio. Dollar im Jahr verdient und pro Tag 18 Gramm Gras raucht. Aufgelockert hab ich das Ganze mit einem Glas Äppelwoi, das Video müsste noch irgendwo im Netz zu finden sein.
Richtig crazy war es für mich aber auch, die Fantas und die Beginner zu treffen, weil das einfach beides Helden meiner Jugend/ Kindheit waren – interessant ist es, wenn sich das, was man immer dachte, bestätigt und die saucool und witzig sind, in einem Fall war ich aber auch etwas enttäuscht, weil da jemand dann doch nicht so locker rüberkam, wie man das immer gedacht hatte...

Kombinierst Du die Jobs 1LIVE und YOU FM und wie organisierst du das?
Momentan arbeite ich offiziell nur noch bei 1LIVE – das mit dem Pendeln zwischen den beiden Sendern ist mir nach einem Jahr zu viel geworden und ich habe auch den Anspruch Vollgas zu geben und loszulegen, das hat dann irgendwann einfach schon an den Kräften gezehrt, wenn man nur von Sender zu Sender hüpft. Gerne springe ich aber ab und zu noch bei YOU FM ein, wenn es da einen Engpass gibt oder sie mich brauchen.

Wie oft hast du weitere Jobs als Moderator, Redakteur, Sprecher, DJ, Musikberater oder Musiker?
Der intensivste „Zweitjob“ momentan ist sicherlich das Auflegen. Das mach ich bestimmt so ein, zwei Mal im Monat – sei es in einer der vielen schönen Frankfurter Bars (Good Times, Maxie Eisen, Pracht), auf Firmenevents (wie z.B. für Mercedes-Benz) oder auf Privatparties. Ansonsten bin ich auch jeden Tag in meinem Job als Moderator und Redakteur tätig, gelegentlich berate ich Firmen mit musikalischen Fragen, mache ihnen Playlists etc. Und wenn ich sonst noch Zeit habe, setze ich mich auch gerne mal selbst an ein Instrument oder an den Rechner und schraube ein bisschen.

Wie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus?
In einer 1LIVE-Sendewoche fahre ich Montagvormittag nach Köln und um 15 Uhr haben wir dann die Konferenz um die Themen für die Abendsendung zu besprechen. Dann wird geschrieben, geskriptet, geschnitten, vorbereitet, interviewt, manchmal auch ein kleines Video für Online gedreht und um kurz vor 20 Uhr geht´s dann ins Studio und dann wird bis elf gesendet. Donnerstag nach der Sendung nehme ich dann meist den letzten Zug zurück nach Frankfurt.

Deine Zukunftswünsche?
Meine Zukunftswünsche: Gesundheit, Glück, Weltfrieden! :-) Nee mal im ernst - ich wünsche mir, dass ich diesen Job noch so lange wie möglich machen kann, weil das für mich ein echter Traum ist, meine Leidenschaft für Musik auszuleben und damit auch noch Geld verdienen zu können. Konkret plane ich allerdings nie so weit in die Zukunft, was vielleicht ein Fehler ist. Aber ich versuche auch immer, nie nur auf einem Bein zu stehen sondern immer die Augen und Ohren offen zu halten, damit es nicht irgendwann heißt: Huch, was mach ich denn jetzt?

Dein Tipp für die Studierenden ihren Berufstraum zu verwirklichen?
Machen! Oder zumindest probieren! Es geht nicht immer gleich was kaputt, wenn man etwas ausprobiert. Falls ihr eine Leidenschaft habt, seid froh, das ist ein großes Geschenk! Dann kann ich nur raten, dieser zu folgen und sich nicht beirren zu lassen, denn irgendeinen Job könnt ihr immer noch machen, wenn es nicht geklappt oder sich als Luftblase entpuppt hat. Auch wenn ihr nicht die große Leidenschaft habt, aber wisst, wo ihr ungefähr hin wollt, versucht euren Weg zu gehen, auch wenn es manchmal schwierig ist - aber lasst euch bitte nicht reinquatschen, schließlich haben wir alle nur ein Leben.

Karriereplaner - Ausgabe: WS 2016/2017