Der KarrierePlaner
Allgemein
Studieren in FFM
Career Services
Karriere
Im Gespräch
Events in FFM
Buchtipps
Unternehmensporträts
zurück zu "Im Gespräch"
Bildergalerie

Von der Theorie in die Praxis

Interview mit Dr. Markus Käppler, Weil, Gotshal & Manges LLP

Herr Dr. Käppler, seit wann sind Sie bei Weil beschäftigt?
Ich bin seit November letzten Jahres im Frankfurter Büro von Weil als Rechtsanwalt im Bereich Gesellschaftsrecht/Private Equity angestellt, habe aber dort bereits die Anwaltsstation im Referendariat absolviert.

Haben Sie es als vorteilhaft empfunden, dass Sie bereits vorher bei Weil als Referendar tätig gewesen sind und würden Sie Referendaren empfehlen, schon die Referendarstelle danach auszusuchen, ob sie in der betreffenden Kanzlei möglicherweise später auch arbeiten möchten?
Unbedingt! Ich habe bereits während des Studiums die Möglichkeit genutzt, im Rahmen von Praktika in Großkanzleien „reinzuschnuppern“. Allerdings sind die Aufgaben, die einem als studentischem Praktikanten übertragen werden, natürlich weniger anspruchsvoll als die Mitarbeit, die von einem Referendar erwartet wird, da man schon deutlich mehr – auch praktische – juristische Erfahrung mitbringt. Bei Weil konnte ich schon als Referendar an den spannenden, internationalen Transaktionen mitarbeiten und war in das Private Equity/M&A Team eingebunden.
Nach meiner Erfahrung sollte man das Referendariat sinnvoll nutzen, um auszuprobieren, was einem Spaß macht und einem liegt, also keine Alibistationen absolvieren. Dann kann man sich zum Berufseinstieg für eine Kanzlei entscheiden, die zu einem passt. Damit meine ich nicht nur die fachliche Ausrichtung der Kanzlei – ebenso wichtig ist das kollegiale Umfeld. Schließlich verbringt man mit seinen Kollegen eine Menge Zeit im Büro.

Wie groß war der Schritt vom Referendar zum Rechtsanwalt?
Für mich war der Schritt gefühlt kein schwerer, da ich schon vorher bei Weil als Referendar tätig und in die Transaktionen und das Team eingebunden war – aber die Tätigkeit ist eigenständiger, der Mandantenkontakt häufiger und insgesamt die Verantwortung und die entgegengebrachte Erwartungshaltung größer. Hier hat es mir wiederum geholfen, dass ich meine Kollegen schon aus meiner Referendartätigkeit kannte. Man wird hier nicht alleingelassen, sondern es herrscht eine sehr kollegiale Atmosphäre, sowohl in meinem Team als auch team- und praxisübergreifend.

Können Sie vieles, was Sie an der Uni und im Referendariat gelernt haben, in der täglichen Arbeit verwenden?
Obwohl ich es nie gedacht hätte – aber auch in einer internationalen Großkanzlei mit amerikanischen Wurzeln braucht man das Rüstzeug, das einem an der Uni und im Referendariat an die Hand gegeben wurde, fast täglich. Dazu gehört zum Einen das allgemeine Grundverständnis für die Auslegung und Anwendung deutscher Gesetze. Auch wenn die Kommunikation in 90% aller Fälle in Englisch stattfindet, sind wir hier auf deutsches Recht spezialisiert. Bei M&ATransaktionen sind Kenntnisse im deutschen Gesellschafts- und Schuldrecht unabdingbar. Man hat aber auch mit anderen Rechtsgebieten Berührung, etwa dem Kapitalmarkt-, Arbeits- oder Insolvenzrecht. Ich habe aber auch schon mit Kommentaren zum Bundesbodenschutzgesetz gearbeitet, als es um die Frage ging, ob der von uns vertretene interessierte Erwerber etwa für Bodenverunreinigungen von Grundstücken haften müsste, die zur Zielgesellschaft gehörten. Auch das Außenwirtschaftsgesetz läuft einem hin und wieder über den Weg…

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch spannende, neue Dinge, die man an der Uni nicht lernen kann, wie das Management und die Strukturierung von internationalen Transaktionen oder die Verhandlungsführung und -taktik. Hier bekommt man erst „on the job“ Einblick und Erfahrung.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht die anwaltliche Tätigkeit aus? Was macht Ihnen daran am meisten Spaß?
Insbesondere eigenständiges Denken und die Kreativität, die erforderlich ist, wenn man immer wieder auch mit unbekannten Themen und juristischem Neuland konfrontiert wird. Außerdem natürlich die Arbeit im internationalen Team von Weil!

Bleibt Zeit für ein Privatleben oder stimmen die Gerüchte, dass man in Großkanzleien jeden Tag bis tief in die Nacht und jedes Wochenende arbeiten muss?
Das ist in dieser Pauschalität nicht richtig – sonst hätte ich mir einen anderen Beruf gesucht. Bisweilen ist die Arbeitsbelastung hoch – einmal, was die Arbeitszeiten anbelangt, aber auch was die kurze Reaktionszeit anbetrifft, die die Mandanten erwarten. Das war mir allerdings schon bewusst, bevor ich bei Weil anfing. Speziell der Bereich M&A ist projektbezogen – es gibt Tage, an denen man lange im Büro sitzt, und bisweilen muss man am Wochenende ran (was aber die Ausnahme ist). Dann gibt es aber auch ruhige Phasen zwischen den Deals, in denen man oft schon am frühen Abend das Büro verlässt. Man muss also flexibel sein – diese Flexibilität wird einem dann aber auch von Seiten der Kanzlei zuteil!

Warum haben Sie sich für eine internationale Kanzlei entschieden und was macht Ihnen an der internationalen Tätigkeit am meisten Spaß?
Generell hat mich die Herausforderung gereizt, die mit der Arbeit an spannenden Transaktionen, an denen in der Regel international tätige Unternehmen, Beratungsgesellschaften, Finanzinvestoren und Investmentbanken beteiligt sind, einhergeht. Es ist eben alles andere als ein 08/15-Job…

Speziell bei Weil reizt mich, dass die transaktionsbezogene Ausrichtung und die Einbindung der deutschen Büros in die globale Struktur von Weil eine besonders starke internationale Note mit sich bringen. Besonders wichtig, gerade für Berufseinsteiger, finde ich außerdem, dass man bei Weil eine hervorragende Anleitung durch den jeweils zuständigen Mentor erhält. Man wird also nicht ins kalte Wasser geschmissen, sondern es wird dafür Sorge getragen, dass man die Materie, auf die man sich bei Weil spezialisiert, auch „von der Pieke auf“ lernt.

Zu guter Letzt: Haben Sie einen besonderen Ratschlag oder Tipp, den Sie Referendaren oder Berufsanfängern, die sich überlegen, in einer internationalen Großkanzlei tätig zu werden, mitgeben möchten?
Ja, man sollte am besten versuchen, schon während des Referendariats Erfahrungen in einer Großkanzlei zu sammeln, wenn man sich später einen Werdegang in diese Richtung vorstellen kann. Auf keinen Fall sollte man sich von nervösen Kommilitonen „kirre“ machen lassen, die einem vermeintlich gute Ratschläge erteilen wollen – etwa, in der Anwalts- oder Wahlstation zu „tauchen“. In der Regel ist es besser, sich bei Leuten zu erkundigen, die die entsprechende Erfahrung bereits gemacht haben, und sich dann auf das eigene Gefühl und den eigenen Verstand zu verlassen.

Steckbrief von Dr. Markus Käppler
Karriere
: Rechtsanwalt im Bereich Gesellschaftsrecht/Private Equity

Karriereplaner - Ausgabe: WS 2010/11