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Aus den Geistes- und Kulturwissenschaften ins Berufsleben

Dr. Nicola Menzel, Koordinatorin Buch- und Medienpraxis Fachbereich 10

Für die geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächer ist das berufspraktische Angebot der Universität in den letzten Jahren stark gestiegen. Neben fachinternen Übungen und praxisorientierten Seminaren ist das Programm des Schreibzentrums und des Career Service Centers auch spezifisch für diese Zielgruppe umfangreich. Das ist wichtig, denn Studierende der Geisteswissenschaften stehen vor der besonderen Herausforderung (und Freiheit), dass ihr Studium selten auf ein klar definiertes Berufsbild ausgerichtet ist. Die Studienwahl erfolgt interessebedingt und vielen ist bereits vor Studienbeginn bewusst, dass Stellen im Kultursektor rar sind. Grundsätzlich haben Absolvent:innen kaum Schwierigkeiten, nach dem Abschluss in den Beruf zu kommen, da viele Unternehmen ihre Kompetenzen etwa für Projektmanagement- oder Kommunikationsstellen schätzen. Viele stellen sich ihre berufliche Zukunft jedoch eher in den etablierten Kultureinrichtungen der Region vor.

Gerade weil viele Absolvent:innen in den Kulturbetrieb streben, ist es wichtig, früh ein eigenes Profil zu entwickeln. Die Studienzeit dient nicht nur dem Wissensaufbau, sondern kann ein Experimentierfeld sein. Es ist hilfreich, eigene Interessenschwerpunkte und Herzensprojekte zu pflegen und sichtbar zu machen, sei es durch einen Podcast, ein Forschungsprojekt, eigene Seminare (Autonome Tutorien im alternativen Vorlesungsverzeichnis der Uni) oder studentisches und kulturelles Engagement. Dafür braucht es keine geniale Idee oder besondere Expertise. Kleine Projekte können aus einem aktuellen Thema oder im Austausch mit anderen entstehen, durch die Beteiligung an der Institutsgruppe oder Fachschaft, beim Campusradio, der Literaturzeitschrift der Uni oder in anderen bestehenden Strukturen.

Auch gezielte Weiterbildungen können dabei helfen, das eigene Profil zu schärfen. Es lohnt sich, mit offenen Augen durch den Kulturbetrieb zu gehen und Veranstaltungen zu besuchen oder die Angebote für Young Professionals auf einschlägigen Messen wahrzunehmen. Wer Feuilletons liest, Newsletter abonniert oder Bildungs- und Kulturinstitutionen auf Social Media folgt, erhält einen Überblick über das Angebot. Wer ein konkretes Berufsziel oder eine Branche vor Augen hat, kann sich den jeweiligen Nachwuchsverbänden anschließen.

Ein wichtiger Schritt besteht darin, berufliche Erfahrungen zu sammeln – etwa durch Nebenjobs oder Praktika. Dabei gewinnt man nicht nur erste praktische Grundlagen, sondern vernetzt sich automatisch. Gerade im Kulturbetrieb entstehen berufliche Chancen vor allem über persönliche Begegnungen und über die gemeinsame Arbeit an geteilten Interessen.
Bei der Suche nach solchen Einstiegsmöglichkeiten lohnt es sich, den Blick nicht nur auf große, bekannte Institutionen zu richten. Kleinere Häuser und Initiativen bieten niedrigschwelligere Zugänge und größere Gestaltungsspielräume. Dazu zählen kleinere Museen (eine Liste führt der Museumsverband Hessen), Fachverlage und unabhängige Verlage, Regionalzeitungen, Bildungsinitiativen, Stiftungen sowie Literatur- und Filmfestivals.

Erfahrungen aus Nebenjobs oder eigenen Projekten wirken sich auch auf das Studium aus. Sie schärfen den Blick für fachliche Themen und helfen, theoretische Konzepte besser einzuordnen. Was zunächst abstrakt erscheint, wird durch praktische Kenntnisse anschaulicher. Gerade die Freiräume der geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächer bieten ideale Voraussetzungen, um eigene Interessenschwerpunkte einzubringen und fachliche Diskussionen aus verschiedenen Perspektiven kritisch zu reflektieren.

Studentische Initiativen, Nebenjobs, Weiterbildungen, ehrenamtliches Engagement und Praktika helfen dabei, herauszufinden, was zu den eigenen Stärken und Werten passt. Sie sind nicht bloß Ergänzungen für den Lebenslauf, sondern ein zentraler Bestandteil des Studiums und der beruflichen Qualifizierung. Wer die theoretische Expertise mit eigenen Projekten und Praxiswissen verbindet, entwickelt früh ein Profil, das im Kulturbetrieb und darüber hinaus gefragt ist.

Um über uniinterne Angebote speziell für die Geistes- und Kulturwissenschaften informiert zu bleiben hat der FB10 einen Newsletter eingerichtet: dlist.server.uni-frankfurt.de/mailman/listinfo/BerufspraxisFB10

Institutsnewsletter sowie die Social-Media-Kanäle der Institutsgruppen, Fachschaften und Studienfächer informieren über Veranstaltungen und Stellenanzeigen.

In der Germanistik können eigene Projekte im Rahmen von Litkultur umgesetzt und ­finanziert werden und man kann an bestehenden Unternehmungen teilnehmen: litkultur.uni-frankfurt.de

Im Auge behalten sollte man auch Förderangebote für studentische Projekte z.B. durch QSL-Mittel, dem Büro für Chancengerechtigkeit oder die verschiedenen Forschungszentren der Uni: www.uni-frankfurt.de/de/forschung/wissenschaftliche-zentren

Karriereplaner - Ausgabe: 2026/2027