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Die Finance-Bewerbung – ein rundum Ratgeber für den Berufseinstieg in der Financebranche

Ein Interview mit dem Autor

Die Fragen stellte Jessica Kuch, Redakteurin/Öffentlichkeitsarbeit CAMPUSERVICE der Goethe-Universität

Die Finance-Branche ist vielseitig und sehr dynamisch. Fortlaufend entstehen neue Bereiche und Prozesse. Thomas Trunk, 34 Jahre alt, Studium der Betriebs- und Volkswirtschaft an der Universität Passau und Universidad de Málaga ist Autor der überarbeiteten Neuaufl age des Dossiers „Die Finance-Bewerbung“ und eröffnet Einblicke in die Finance-Branche aus der Insider Perspektive. Im folgenden Interview berichtet er wie er zu dem Angebot kam, wie er seinen eigenen Berufsweg gefunden hat und gibt Tipps für einen erfolgreichen Berufseinstieg.

Wie kamen Sie an das Angebot, die 3. Auflage der „Finance-Bewerbung“ zu überarbeiten? Was bedeutet es eine Auflage zu überarbeiten?
Einen der Gründer von Squeaker.net und dem daraus hervorgegangenen Verlag für die Reihe der „Insider Dossiers“ habe ich über einen Bekannten kennen gelernt. So hat sich schließlich die Kooperation zur Erstellung der Neuaufl age des Buches ergeben. Squeaker lässt diese Reihe „Insider Dossiers“ von erfahrenen Brancheninsidern schreiben, die sowohl den Arbeitsinhalt, als auch Projektalltag, Anforderungen etc. plastischer darstellen können. Nachdem ich die letzte (2.) Aufl age gelesen hatte, bin ich mit zahlreichen Änderungsvorschlägen auf Squeaker zu gegangen und hatte auch großen Freiraum das Buch zu überarbeiten, so wie ich es selbst gerne vor meinem damaligen Einstieg in die Finance-Branche gelesen hätte. Schätzungsweise 90% des Buches sind komplett neu. Mein Ziel war es, in möglichst einfacher Sprache, ein gut leserliches und informatives Buch zu verfassen, dass Redundanzen und Allgemeinheiten weglässt, einen wirklichen Blick in die Jobs hinein erlaubt und genau die Informationen vermittelt, die man für seine Berufswahl in dieser Branche als auch in den Interviews benötigt.

Hatten Sie bereits Erfahrungen im Schreiben?
Ja und Nein. Also ich habe auch vorher schon ein Buch über eine Weltreise geschrieben, weil ich immer mal ein Buch schreiben wollte. Aber, abgesehen von Diplom- und Seminararbeiten hatte ich noch keine Erfahrung mit Sachtexten. Und mir war es auch wichtig, dass die „Finance-Bewerbung“ sich eben nicht so trocken liest wie ein Sachbuch. Abgesehen von einigen amerikanischen Büchern, wie dem Standardwerk „Brealey Myers“, die eine sehr lockere und humorige Sprache haben, sind meiner Meinung nach die meisten Sachbücher – gerade im Finance- Bereich – zu trocken, technisch, langweilig. Ob mir das gelungen ist, müssen die Leser selbst entscheiden.

Was haben Sie nach Ihrem Studium gemacht?
Nach meinem Studium in Passau habe ich zunächst einen Traum verwirklicht und meine erste Round-the-World Backpacking Tour gemacht. Seit meiner ersten Rucksackreise hatte ich das vor. Leider hatte ich nur ein paar Monate Zeit aber es war genial es endlich gemacht zu haben. Als ich von der Reise zurückkam, habe ich bei Goldman Sachs in Frankfurt als Analyst in der Investmentbanking Division angefangen und dort knapp 2,5 Jahre gearbeitet. Es war die aktivste Zeit im Mergers & Acquisitions und daher sehr spannend aber auch sehr intensiv. Nach 2,5 Jahren stand die Entscheidung an, ob ich bleiben oder, wie einige Banker, für eine Promotion o.ä. aussteigen möchte. Ich stieg aus und machte zunächst einen zweiten, längeren Round-the-World Trip mit mehr Zeit im Gepäck. Viele wollten mir damals abraten in der aktivsten Zeit im Mergers & Acquisitions in der Geschichte (die war es in den Jahren 2006-07) auszusteigen. Während meiner Reise setzte dann die Finanzkrise ein… . Alles in allem war es die richtige Entscheidung.

Wie haben Sie Ihre richtige Branche gefunden, welche ist es und warum?
Mir hat es geholfen während des Studiums viele Praktika zu machen. Das hat mir einerseits meine Rucksacktouren fi nanziert, andererseits habe ich viele Leute kennen gelernt und Kontakte in Unternehmen geknüpft und auch gute Eindrücke gewonnen über das, was mich interessiert und was nicht. Mit jedem Praktikum gingen mehr Türen auf und die Suche wird am Ende leichter. Wichtig ist es, dass man so viel aus solchen Praktika herausholt wie möglich. Ein Praktikum absitzen lohnt sich für keinen Beteiligten. Man sollte sich frühzeitig überlegen was einen interessieren könnte und die Möglichkeiten nutzen Fragen zu stellen. Fragen entstehen von selbst aus Interesse. Wenn man keine Fragen zu einem Bereich hat, dann besteht oft auch kein Interesse.

Wie haben Sie sich auf den Berufseinstieg vorbereitet?
Einerseits haben mich die Erfahrungen aus den Praktika gut vorbereitet. Aber damit meine ich eher die Arbeit in Teams, Soft Skills usw. Für den konkreten Job im Investment Banking habe ich mich vor meinem ersten Tag nochmal in Unternehmensbewertung und Accounting eingelesen, da diese beiden Aspekte in dem Bereich die Grundlagen darstellen. Außerdem habe ich versucht mir einen Überblick über die Branche zu verschaffen. Abgesehen davon muss man sich nichtzu verrückt machen, denn die wesentlichen Dinge lernt man „on the job“ und nur unseriöse Unternehmen und Menschen erwarten Berufsanfänger die genauso viel Wissen wie sie selbst.

Ihr Berufseinstieg: Wo, Wie, Was, Wann?
Ich hatte das Glück, dass zur Zeit meines Berufseinstiegs sehr stark im Investment Banking rekrutiert wurde. So habe ich bei fast allen großen Investmentbanken Interviews gehabt und konnte mich schließlich für Goldman Sachs entscheiden. Viele jobrelevante Praktika und Auslandserfahrung haben mir geholfen zu den Interviews eingeladen zu werden. Und da hat es dann einfach gepasst.

Haben Sie während des Studiums in der Branche gearbeitet?
Ja, ich habe Praktika im Aktienhandel bei Merrill Lynch, Asset Management bei der Deutschen Bank und im M&A bei Lazard absolviert. Bei einigen Arbeitgebern in dem Bereich ist das Grundvoraussetzung, da die berufl iche Belastung sehr hoch ist und sie sich sicherer fühlen, wenn ein „ja, ich kann mir vorstellen so zu arbeiten“ auf Erfahrung beruht.

Ihr Karriereweg? Bei wem, wie, was?
Nach meiner Zeit bei Goldman Sachs und der anschließenden Reise, habe ich mich an die Promotion gemacht, was nach Einsetzen der Finanzkrise mit dem Problem begann, dass alle Finance-Lehrstühle bzw. die Doktorväter belegt waren mit Doktoranden. Viele Monate später traf ich einen Bekannten, der ein Unternehmen aus der Frankfurter Universität heraus gegründet hatte und dringend Leute mit Projekterfahrung suchte. Zu dieser Zeit hatte ich Monate mit dem Finden von Themen, dem Schreiben von Exposées und dem Vorsprechen bei Lehrstühlen verbracht. Schließlich habe ich mich für den Einstieg bei Mederi entschieden, da ich ansonsten inkl. meines mittlerweile zwei Jahre andauernden Sabbaticals nach der Doktorarbeit für mein Empfi nden zu lange „vom Markt“ gewesen wäre. Der Auf- und Ausbau der Firma und die Atmosphäre in einem jungen dynamischen Unternehmen mit vielen Freiräumen erschienen und erscheint mir genau das Richtige zu sein. Und eine Dissertation läuft nicht weg.

Was machen Sie aktuell?
Ich bin noch immer bei der Mederi AG und es macht weiterhin viel Spaß eigene Bereiche aufzubauen, ständig neue Entwicklungen mit zu begleiten und eigene Impulse einzubrin37 gen. Der Spaßfaktor wird meines Erachtens am häufi gsten Unterschätzt bei der Jobsuche und das sollte nicht geschehen.

Ihr Tipp an die Studierenden der Goethe- Universität:
Wichtig ist es sich bewusst zu sein was man will und das man im Studium den Grundstein für später legt. Egal ob man ein großes Haus darauf bauen möchte oder nicht. Lasst Euch nicht von den Vorstellungen und Zielen anderer zu sehr blenden sondern fi ndet Eure Eigenen.

Gibt es ein Erfolgsrezept?
Nein, ein allgemeines Erfolgsrezept gibt es wohl nicht. Ein bisschen Genügsamkeit, kontrastreiche Erfahrungen, etwas Refl exion für den Lerneffekt, eigene Wege fi nden und dabei nicht blenden lassen, eine gute Portion Mut und Selbstvertrauen und im Zweifel die richtigen Entscheidungen treffen mit ein bisschen Glück – sind meiner Meinung nach sehr gute Zutaten.

Autor: Thomas Trunk
ISBN: 978-3-94034-512-7

Karriereplaner - Ausgabe: SS 2011