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„Wirtschaftsethik braucht Mut“

Im Gespräch mit Ernst von Kimakowitz, Dozent für Leadership Skills an der Hochschule St. Gallen und Direktor des Humanistic Management Centers darüber, was Ethik für Manager bedeutet und warum sich angehende Unternehmenslenker schon im Studium dafür interessieren.

Wert und Werte – viele reden davon. Was verstehen Manager darunter?
Werte können für den Manager persönlich eine andere Bedeutung haben als in seiner Funktion auf der oberen Führungsebene. Manager, mit denen ich spreche, sind meist integre, werteorientierte Menschen. In ihrer Rolle jedoch stehen sie unter enormem Druck, auch unpopuläre Entscheidungen treffen zu müssen. Im Vergleich zu börsennotierten Unternehmen haben Manager in Familienunternehmen, die längerfristige Ziele verfolgen, vielfach mehr Freiräume, um sich ein starkes Wertegerüst aufzubauen.

Wie bauen Manager ein solches Wertegerüst auf?
Indem Manager einem lukrativen Geschäft den Rücken kehren, wenn es stinkt. Oder dann, wenn sie verdienten Mitarbeitern gegenüber loyal bleiben, wenn diese einen Fehler gemacht haben. Dazu können Manager die Wertetreue ihrer Mitarbeiter, ihre Loyalität der Firma gegenüber, auf karriererelevante Weise belohnen – etwa in der jährlichen Beurteilung.
Doch eine Integration der Wirtschaftsethik in das BWL-Studium fehlt noch. Wirtschaftsethik wird immer populärer, aber eigenständige Lehrstühle in Wirtschaftsethik sind noch die Ausnahme. Studierende nehmen bestehende Angebote an, meine Vorlesungen und Seminare sind seit Jahren gut besucht. Die Kursteilnehmer fordern aber auch Veränderungen im BWL-Curriculum und kritisieren, obsolete Inhalte lernen zu müssen. Sie wünschen sich Rüstzeug für ihren Berufseinstieg. Innerhalb von Unternehmen wollen sie später nicht nur irgendeine produktive Rolle übernehmen, sondern auch gesellschaftliche Herausforderungen unternehmerisch anpacken.

Welches Rüstzeug geben Wirtschaftsethiker Studierenden mit auf den Weg?
Sie geben Orientierungswissen und praktisches Know-how, um auch auf unbekanntem Terrain Sachverhalte reflektieren zu können. Meine Studierenden wollen ihre eigenen, wertebasierten Entscheidungen treffen. Gerade dort, wo es noch keine Compliance-Regeln gibt, die im Einzelnen klären, was zu tun ist. Sie sollen sich trauen, ethisch relevante Fragen im Geschäftsalltag zu stellen, um die Spielregeln des Business kontinuierlich anzupassen. Wirtschaftsethik braucht Mut und starke Nerven, sie schult aber auch den Charakter, fördert integre Manager und sichert so den nachhaltigen Geschäftserfolg.

Das Interview führte Jan Thomas Otte für den Frankfurter Allgemeine Hochschulanzeiger.

Karriereplaner - Ausgabe: SS 2016