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Dr. Jürgen Schneider

„Es macht keinen Sinn, sich im Bewerbungsgespräch zu verstellen“

Jürgen Schneider, Bereichsleiter Personal in der KfW-Bankengruppe über Abschlussnoten, Fehler im Bewerbungsgespräch und den Cultural Fit.

Herr Schneider, in einer Umfrage zum Ansehen verschiedener Berufe standen die Banker ziemlich weit unten – ist ein Einstieg hier überhaupt noch attraktiv?
Das Bild der Banken wird besonders von einigen Kreditinstituten geprägt, die in der Vergangenheit nicht verantwortungsbewusst mit Geld umgegangen sind. Trotzdem sind die beruflichen Möglichkeiten bei den Banken vielfältig und attraktiv. Für uns bedeutet das, dass wir die Neupositionierung der KfW als Bank aus Verantwortung intern authentisch leben und nach außen glaubhaft kommunizieren müssen.

In welchen Bereichen kann sich der Einstieg für Absolventen in der Finanzbranche lohnen?
Alle Bereiche bieten nach wie vor einen interessanten und lohnenden Einstieg. In unserer aktuellen Lage sind gerade die Einstiegsmöglichkeiten in den Querschnittsfunktionen sehr interessant. Besonders die IT ist ein wichtiger Teilbereich der Bank, der Veränderungsprozesse aktiv begleitet. Und als Alleinstellungsmerkmal bieten wir die Möglichkeit, ins internationale Geschäft der Entwicklungsfinanzierung einzusteigen. Das führt der Geschäftsbereich Entwicklungsbank im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durch.„Es macht keinen Sinn, sich im Bewerbungsgespräch zu verstellen“ Jürgen Schneider, Bereichsleiter Personal in der KfW-Bankengruppe über Abschlussnoten, Fehler im Bewerbungsgespräch und den Cultural Fit.

Was sollte man studiert haben, um im Finance-Bereich erfolgreich starten zu können?
Wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge bieten da sicherlich die beste Basis. Allerdings öffnen sich immer mehr Banken für einen breiteren Einstieg von Absolventen anderer Disziplinen. Wir in der KfW haben eine Bandbreite, die vom Archäologen über Juristen und Volkswirte bis zum Zoologen reicht.

Welche Qualifikationen erwarten die Banken von Bewerbern insgesamt?
Neben den Leistungen im Studium, die in die Auswahlentscheidung einfließen, ist es wichtig, dass ein Bewerber zur Bank passt. Deshalb setzen wir für die Auswahl der Trainees ein Assessment Center ein, das genau diese Faktoren prüft, also die fachliche und die persönliche Passung. Außerdem ist es von Vorteil, wenn ein Bewerber etwas vorweisen kann, was ihn von anderen positiv abhebt. Dazu zählen außeruniversitäres Engagement oder Praxiserfahrung, wie etwa in einer studentischen Unternehmensberatung.

Und bei den Fremdsprachen?
Während Englisch heute zum Rüstzeug eines Absolventen zählt, bieten weitere Fremdsprachen Optionen, um international tätig zu werden. Gerade in den Entwicklungs- und Schwellenländern, in denen unsere Bank tätig ist, reichen Englischkenntnisse häufig
nicht aus, um sich zu verständigen.

Wie sieht ein erfolgreicher Karriereweg in der Branche aus?
Den klassischen Karriereweg gibt es meiner Meinung nach nicht mehr. Das internationale Umfeld der Banken und die volatilen Märkte erfordern immer differenziertere Profile. Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass unsere Mitarbeiter neben fachlichem Knowhow auch persönlich zum Unternehmen passen. Dieser Cultural Fit ist Basis für eine Karriere im Unternehmen. Daher ist das auch ein wichtiger Baustein, der in unseren Führungskräfte-Assessments geprüft wird. Letztlich sind das persönliche Engagement und die gezeigten Leistungen die Treiber für die Karriere. Das trifft gleichermaßen für eine Führungskarriere wie für die Spezialistenlaufbahn zu.

Wie sah Ihr persönlicher Karrierepfad aus – auch eher nicht klassisch?
Auch mein eigener Karriereweg ist von Mobilität und Flexibilität geprägt. Nach Studium und Promotion mit Bankenbezug in Würzburg bin ich bei einem großen Automobilhersteller eingestiegen. Zuerst war ich dort im Controlling tätig, entdeckte aber meine Passion für das Personalwesen und wechselte dorthin. In meiner nächsten Station war ich Personalchef bei einem mittelständischen Unternehmen in der Halbleiterbranche. Anschließend führte mich mein Weg in die Pharmabranche. Dort war ich für das Personal zuständig und anschließend Geschäftsführer. Vor zehn Jahren suchte die KfW einen Personaler, der im Fusionsgeschäft erfahren war. Da ich diese Erfahrung in dem Pharmaunternehmen sammeln konnte, war ich der passende Kandidat für die Stelle.

Mit Personalfragen kennen Sie sich also aus – was sind die größten Fehler von Bewerbern?
Der größte Fehler ist, wenn jemand unvorbereitet in das Gespräch kommt. Es gibt ein schlechtes Bild ab, wenn Bewerber nicht wissen, mit was das Unternehmen sein Geld verdient oder wie hoch der letzte Umsatz war. Bitte nicht falsch verstehen, wir erwarten natürlich nicht, dass der Geschäftsbericht auswendig gelernt wird. Ganz schlimm ist auch, wenn der Lebenslauf aufgemotzt ist und die angegebenen Tätigkeiten nicht mit Beispielen untermauert werden können. Zieht man in solch einer Situation die falsche Karte aus dem Kartenhaus, bricht es komplett zusammen.

Welche Fehler von Bewerbern sind für Sie als Personaleiter ein rotes Tuch?
Wenn Bewerber nicht sagen können, warum Sie für das Unternehmen arbeiten möchten. Normalerweise liegt vor der Bewerbung ja ein Entscheidungsprozess, den wir gerne hören möchten. Ein rotes Tuch ist für mich auch, wenn Bewerber negativ über vorherige Arbeitgeber sprechen. Das lässt den Bewerber in keinem guten Licht erscheinen.

Und womit kann man im Bewerbungsgespräch am besten überzeugen?
Toll ist, wenn ein Bewerber sich mit dem Unternehmen beschäftigt hat und schon konkret sagen kann, wo er gerne arbeiten möchte und was sein Mehrwert dabei ist. Auch wenn man sich als Bewerber im Gespräch vermarkten möchte, sollte man aber davon Abstand nehmen, in Lobhudelei über sich selbst zu verfallen. Hier schätze ich vielmehr, wenn der Bewerber mit Fakten sachlich überzeugen kann. Außerdem sollte ein Bewerber authentisch sein. Es macht keinen Sinn, sich zu verstellen. Erstens merken das erfahrene Referenten sofort, andererseits wollen Bewerber ja im Unternehmen einsteigen. Und da will man sich ja nicht die ganze Zeit verstellen, um die aufgebaute Fassade aufrecht zu erhalten.

Hand aufs Herz: Wie wichtig ist die Abschlussnote?
Man kann nicht behaupten, dass die Note egal ist. Trotzdem verliert sie immer mehr an Wert. Bewerber mit Einser-Abschluss haben definitiv keinen Freifahrtschein im Bewerbungsverfahren. Vielmehr steht die Persönlichkeit im Fokus. Wenn jemand begründen kann, warum die Noten nicht so gut wie gewünscht waren und sie durch andere Eigenschaften und Kenntnisse kompensieren kann, dann kann ein kleiner Schnitzer im Examen damit ausgeglichen werden.

Welche Tipps geben Sie als erfahrener Personaler Studenten und Absolventen, die sich für eine Finance-Karriere interessieren?
Sie sollten ihr Interesse an der Finanzbranche unbedingt in einem Praktikum überprüfen. Und nutzen Sie Netzwerke, um etwas über die Branche und Einstiegsmöglichkeiten zu erfahren. Das können Freunde und Bekannte sein oder Kommilitonen höherer Semester. Auch sollten Sie schon im Studium Kontakte zu interessanten Arbeitgebern knüpfen. Dazu eignen sich Karrieremessen und Absolventenkongresse, bei denen man mit Unternehmensvertretern ins Gespräch kommen kann.

Staufenbiel Banking & Finance
www.staufenbiel.de/banking

ZUR PERSON
Dr. Jürgen Schneider, Jahrgang 1954, ist Bereichsleiter Personal i der KfWBankengruppe.
Er hat Betriebswirtschaftslehre an der Universität Würzburg studiert und dort auch promoviert. Schneider hat sich über viele Jahre in verschiedenen Ausschüssen und Kommissionen von Arbeitgeberverbänden engagiert und war auch ehrenamtlicher Richter am Arbeitsund Landesarbeitsgericht.

Karriereplaner - Ausgabe: SS 2014