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Generation Y – die neue Generation auf dem Arbeitsmarkt

Interview mit den Baker & McKenzie-Anwältinnen Sonja Klein und Dr. Katharina Weiner

Über Baker & McKenzie
Lange bevor der Begriff „Global Player“ modern wurde, hatte Baker & McKenzie die Vision einer globalen Wirtschaftskanzlei bereits verwirklicht. 1949 von Russell Baker und John McKenzie in Chicago gegründet, zählt Baker & McKenzie heute mit mehr als 4.000 Anwälten in 72 Büros in 45 Ländern zu den größten und leistungsstärksten Anwaltskanzleien der Welt. Auch die deutschen Büros fühlen sich der Vision der Gründer verpflichtet. In Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main und München vertreten mehr als 200 Anwälte mit ausgewiesener fachlicher Expertise und internationaler Erfahrung die Interessen ihrer Mandanten. Als eine der führenden deutschen Anwaltskanzleien berät Baker & McKenzie nationale und internationale Unternehmen und Institutionen auf allen Gebieten des Wirtschaftsrechts.

Frau Klein, Frau Weiner, eine neue Generation von Juristen – die in den 1980er Jahren geborene Generation Y – drängt auf den Arbeitsmarkt. Inwieweit unterscheidet sich diese von Ihrer eigenen Generation?
Sonja Klein: Ganz klar – da gibt es Riesenunterschiede, was die Vorstellungen in punkto Karriere anbelangt. Als ich mit 31 Jahren nach meinem abgeschlossenen Juraexamen 1996 bei Baker & McKenzie einstieg, hatte ich das konkrete Ziel vor Augen, Partnerin zu werden. Dieses Denken entsprach meiner Generation: Wer erfolgreich das Studium gemeistert hatte, versuchte im Berufsleben, die Karriereleiter bis ganz nach oben aufzusteigen – auch wenn man dafür mitunter Abstriche im Privatleben machen musste. Die neue Generation Y tickt anders: Bei der Wahl ihres Arbeitgebers spielen das Thema Work- Life- Balance und damit verbundene flexible Arbeitsmodelle eine entscheidende Rolle.

Katharina Weiner: Da ich 1979 geboren wurde, zähle ich ja fast selbst zu dieser Generation. Daher kann ich mich mit ihren Werten weitestgehend identifizieren. Ich arbeite gern und viel, brauche aber auch Zeit für mich selbst – und für meine Familie. Vor rund einem Jahr kam meine Tochter zur Welt, im Februar 2013 kehrte ich aus meiner Elternzeit zurück ins Büro. Auch während der Elternzeit ließ mich mein Beruf nie wirklich los, und ich hielt stets den Kontakt zu meinen Kollegen, die mich berufl ich auf dem Laufenden hielten. Gleichermaßen wichtig ist für mich, eine gewisse Flexibilität in meinen Arbeitszeiten zu haben – und genau das ermöglicht mir Baker. Ich arbeite nun in Teilzeit zu 75 Prozent, mit der Möglichkeit, meine Arbeitszeiten aktiv mitgestalten zu können. Ich arbeite nun zwei volle und zwei halbe Tage. Das kommt mir in meiner aktuellen Lebenssituation sehr entgegen.

Frau Klein, auch Sie arbeiten, wie Frau Weiner, in Teilzeit – und das als Partnerin. Seit wann? Und wie sieht Ihr Modell aus?
Sonja Klein: Als 1999 meine erste Tochter geboren wurde, war für mich klar, dass ich mitbekommen möchte, wie sie aufwächst – und entschied mich, meine Arbeitszeit zu reduzieren und zu 60 Prozent in Teilzeit zu arbeiten. Das war in einer Zeit, in der der Begriff „Teilzeit“ in den meisten Großkanzleien noch ein Fremdwort war. Ein halbes Jahr später wurde ich zur Partnerin gewählt – was zeigt, dass dieses Modell in keinem Widerspruch zur Karriere steht. 2005 wurde ich zum zweiten Mal Mutter. Nach beiden Geburten kehrte ich rasch – nach drei bzw. zwei Monaten – wieder in den Beruf zurück.

Wie gelingt Ihnen bis heute dieser Spagat zwischen Karriere und Familie?
Sonja Klein: Für mich geht es nicht so sehr darum, Berufs- und Privatleben zu trennen, weil Arbeit einfach zu meinem Leben und meinem Alltag gehört. Wichtig ist mir jedoch, genügend Zeit mit meiner Familie verbringen zu können. Dies ist mir möglich, weil ich meine Arbeit fl exibel an den Bedürfnissen meiner Mandanten und Kollegen ausrichten kann. Und es kommt, wie in so vielen Situationen im Leben, auf die eigene Entschlossenheit an – den Willen zu haben, das, was man möchte, auch tatsächlich umzusetzen. Wichtig ist natürlich auch die Unterstützung durch die Familie und andere Betreuungspersonen für die Kinder bis hin zu einem „Betreuungsnetz“ im näheren Freundes- und Bekanntenkreis.

Stichwort „umsetzen“: Inwieweit sind Arbeitgeber gefordert, selbst aktiv zu werden, um für die Top-Kandidaten der neuen Generation Y attraktiv zu sein?
Katharina Weiner: Das ist ein ganz entscheidender Punkt. Arbeitgeber müssen in der Tat auf die Bedürfnisse dieser neuen Generation reagieren, um geeignete Kandidaten für sich zu gewinnen. Denn wir beobachten nicht nur einen Wertewandel im Vergleich zur Vorgängergeneration, sondern auch – aufgrund des demographischen Wandels – einen Wettbewerb um die Talente. Kanzleien sind gefordert, sich selbst auf den Prüfstand zu stellen und Bilanz zu ziehen: Was bieten wir neben einem attraktiven Gehalt Berufsanfängern in Sachen Work- Life- Balance, Flexibilität, Weiterbildung und Atmosphäre? Und wie können wir diese Nachwuchsjuristen, wenn sie bei uns eingestiegen sind, halten? Auch alternative Modelle zur Partnerschaft können die Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen.

Frau Weiner, Sie gehören ja beinahe zur Generation Y. Was war für Ihre persönliche Arbeitgeberwahl ausschlaggebend?
Katharina Weiner: Als ich vor fünf Jahren vor dem Berufseinstieg stand, konnte ich mir aufgrund der sehr transparenten Berichterstattung in den juristischen Medien ein einschlägiges Bild über den Kanzleimarkt machen. Auch im Rahmen von Gesprächen auf Karrieremessen oder speziellen Kanzleievents für Nachwuchsjuristen war es mir möglich, die einzelnen Kanzleien miteinander zu vergleichen und die Kanzlei zu fi nden, die am besten zu meinen Bedürfnissen passt – und zu der ich passe. Bei Baker habe ich gefunden, was für mich persönlich wichtig ist: Neben flexiblen Arbeitsmodellen, die gleichberechtigt neben dem Partnertrack existieren, legt die Kanzlei Wert auf eine angenehme Atmosphäre, in der sich die Kollegen respektieren und offen miteinander umgehen. Dass ich mich während der Arbeit wohl fühle, ist für mich persönlich wichtig, schließlich verbringe ich den größten Teil des Tages im Büro. Darüber hinaus nimmt Baker die Themen Internationalität und kontinuierliche Weiterbildung ernst. Von Beginn an hatte ich Kontakt mit Kollegen aus den ausländischen Büros und treffe sie regelmäßig auf unseren europäischen Praxisgruppentreffen persönlich. In unserer Inhouse University habe ich viel für meinen Berufsalltag mitnehmen können – sowohl was fachliches Wissen als auch Soft Skills wie Rhetorik anbelangt. Kurz: Ich konnte mich schnell davon überzeugen, dass Baker nicht nur auf dem Papier mit seinen Vorteilen wirbt, sondern dass diese Werte tatsächlich gelebt werden.

Frau Klein, was war Ihnen vor rund 18 Jahren an einem Arbeitgeber wichtig, als Sie vor dem Berufseinstieg standen?
Sonja Klein: Das war eindeutig das internationale Umfeld. Baker & McKenzie gehörte damals zu den wenigen weltweit tätigen Großkanzleien, die in Deutschland präsent waren. Bereits während meines Referendariats hatte ich mich selbst von der Internationalität überzeugen können: Meine Wahlstation führte mich in das Baker- Büro in San Francisco. Katharina, Du sprachst die Atmosphäre der Kanzlei an. Diese war für mich damals ebenfalls das ausschlaggebende Kriterium für die Wahl meines Arbeitgebers. Ich bin davon überzeugt, dass man langfristig nur gut in seinem Beruf sein kann, wenn auch das Umfeld stimmt.

Eine Gemeinsamkeit mit der Generation Y, von der es heißt, ihr sei Spaß bei der Arbeit wichtig …
Sonja Klein: Durchaus. Das liegt wohl in unserer Natur: Wenn wir viel in die eigene Ausbildung investiert haben, möchten wir im späteren Berufsleben für diese Arbeit die Früchte ernten – und das tun, was uns Spaß macht, verbunden mit einer hohen Eigenverantwortung. Wenn ich auf meine Anfangszeit in der Kanzlei zurückblicke, erinnere ich mich, wie ich von Anfang an mit meinem Mentor an spannenden Mandaten mitarbeitete. Schon bald konnte ich meine Mandanten eigenständig betreuen. Ich war positiv überrascht. Dass ich so schnell Eigenverantwortung übernehmen würde, hätte ich nicht erwartet.
Katharina Weiner: Das kann ich bestätigen. Und das ist auch genau ein Aspekt, der für die neue Generation wichtig ist – im Beruf schnell Verantwortung übernehmen und sich selbst verwirklichen zu können. Ich denke, da spreche ich der Generation Y aus der Seele.

Letzte Frage: Was können Sie der neuen Generation von Juristen mit auf den Weg geben? Welche Tipps haben Sie für ihren Berufsstart?
Sonja Klein: Seien Sie entschlossen, für die eigenen Ziele einzustehen und dafür zu kämpfen. Als ich mein Jurastudium begann, warnten mich alle Seiten vor einer „Juristenschwemme“. Ich bin froh, dass ich mich davon nicht beirren ließ und meinen eigenen Weg ging. Treten Sie stark auf und machen Sie Ihren Standpunkt klar – gerade als Frau. Viele Frauen neigen dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Das ist nicht nötig – denn Sie sind genauso gut wie Ihre männlichen Kollegen.
Katharina Weiner: Seien Sie gelassen und bleiben Sie Sie selbst. Sie werden intuitiv das tun, was für Sie richtig ist, wenn Sie auf Ihr Bauchgefühl hören. Haben Sie keinen vorgefertigten Lebensplan im Kopf, sondern seien Sie offen für das, was sich Ihnen bietet. Dann werden Sie Ihren Weg gehen – egal, ob Sie Partner werden oder sich für ein alternatives Karrieremodell entscheiden. Wichtig ist, dass Sie sich selbst treu bleiben.

Frau Klein, Frau Weiner, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

STECKBRIEF

Name
Dr. Katharina Weiner, geboren 1979
Associate bei Baker & McKenzie in Düsseldorf

Studium
Universität Bochum (Rechtswissenschaften)

Studienabschluss
Erstes Staatsexamen

Schwerpunkt
Spezialisiert auf Öffentliches Wirtschaftsrecht

Berufserfahrung
Einstieg bei Baker & McKenzie im Jahr 2008, seit 2013 in Teilzeit (75 %) tätig


STECKBRIEF

Name
Sonja Klein, geboren 1965
Partnerin bei Baker & McKenzie in Frankfurt

Studium
Universität Gießen (Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre)

Schwerpunkt
Spezialisiert auf Steuerrecht

Berufserfahrung
Seit 1999 auch als Steuerberaterin zugelassen

Einstieg bei Baker & McKenzie im Jahr 1996, seit 2000 in Teilzeit (60 %) tätig

Karriereplaner - Ausgabe: SS 2013