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Nikola Bubalo (Director bei EY)

KI in der Assurance bei EY:

KI denkt vor – wir entscheiden

KI und Wirtschaftsprüfung – passt das überhaupt zusammen? Absolut. Und mehr denn je. KI verändert gerade massiv, wie wir in der Assurance arbeiten: Prozesse werden schneller, Analysen tiefer und der Job insgesamt strategischer. Aber keine Sorge, KI ersetzt niemanden. Sie nimmt uns vor allem Routinen ab und gibt uns Raum für das, was wirklich zählt: Verstehen, Bewerten, Entscheiden.

Kevin Künzelt (Senior Manager Assurance Transformation) und Nikola Bubalo (Director Global Assurance AI Transformation) berichten darüber, wie künstliche Intelligenz die Assurance verändert und warum der Mensch trotzdem unverzichtbar bleibt.

Kevin, Nikola – welche neuen Jobs entstehen eigentlich durch KI in der Assurance?
Kevin: Da tut sich gerade extrem viel. Eine spannende neue Rolle ist zum Beispiel der AI Assurance Specialist. Diese Person prüft KI?gestützte Prozesse und Modelle, die im Abschluss eingesetzt werden. Also nicht mehr nur Zahlen prüfen, sondern auch die Logik dahinter.
Nikola: Dazu kommen Profile rund um AI Governance und AI Policy. Je mehr KI genutzt wird, desto wichtiger wird der verantwortungsvolle Umgang damit: Wer darf KI wie nutzen? Was passiert mit sensiblen Daten? Und wie behalten wir den Überblick über Prompts und Ergebnisse?
Kevin: Und dann gibt’s noch den AI Product Owner. Der steuert konkrete KI?Use?Cases, entwickelt Lösungen weiter und sorgt dafür, dass Technik, Fachlichkeit und Governance zusammenspielen. Unterm Strich wird die Assurance dadurch viel interdisziplinärer – Finance trifft Tech.

Welche KI-Tools kommen heute schon zum Einsatz?
Nikola: KI hilft uns zum Beispiel dabei, Informationen über Mandant:innen oder Märkte schneller zu finden, Muster zu erkennen oder Auffälligkeiten aufzudecken.
Kevin: Auch bei der Dokumentenverarbeitung ist KI super hilfreich: Verträge analysieren, Rechnungen verarbeiten oder Hinweise auf Manipulationen erkennen, das spart enorm viel Zeit.

Was heißt das für Studierende oder Berufseinsteiger:innen? Muss man jetzt programmieren können?
Kevin: Nein, keine Angst. Niemand erwartet, dass du direkt KI entwickelst. Viel wichtiger ist, zu verstehen, wie KI funktioniert und wo ihre Grenzen liegen.
Nikola: Genau. Es geht darum, KI als Werkzeug zu begreifen. Nicht alles zu automatisieren, sondern bewusste Entscheidungen zu treffen: Wann hilft mir KI? Wann lieber nicht? Wer früh lernt, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen und Daten sauber einzuordnen, ist top vorbereitet.

Welche Skills werden in Zukunft wirklich wichtig?
Nikola: Kritisches Denken bleibt das A und O. KI liefert Vorschläge, aber wir müssen sie bewerten, einordnen und auch mal widersprechen.
Kevin: Dazu kommen analytische Fähigkeiten, Prozessverständnis und ein gutes Gespür für Risiken. KI kann vorbereiten, strukturieren, analysieren. Die Verantwortung für Entscheidungen liegt aber weiterhin beim Menschen – auch rechtlich.

Welche Aufgaben übernimmt KI und was bleibt klar der menschlichen Expertise vorbehalten?
Kevin: Gerade übernimmt KI vor allem vorbereitende Aufgaben: Daten sammeln, auswerten, erste Entwürfe erstellen.
Nikola: Die finale Prüfung, Risikobewertung und das Urteil bleiben beim Menschen. Das ist ein bisschen wie beim autonomen Fahren: Die Technik kann viel, aber wer haftet am Ende? Genau deshalb braucht es menschliche Expertise.

Zum Schluss: Warum ist Assurance mit KI gerade für Studierende spannend?
Kevin: Weil du extrem breit einsteigst. Du lernst Unternehmen wirklich zu verstehen – und kombinierst klassisches Wirtschaftswissen mit modernen Technologien.
Nikola: Und weil du die Entwicklung aktiv mitgestalten kannst. KI ist kein Zukunftsthema mehr, sondern Alltag. Wer jetzt einsteigt, ist von Anfang an Teil dieser Transformation.
Beide: KI übernimmt immer mehr vorbereitende und unterstützende Aufgaben. Aber die eigentliche Bewertung, die kritische Einordnung und die finale Entscheidung bleiben auch in Zukunft beim Menschen.

Karriereplaner - Ausgabe: 2026/2027