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Bewerben & Arbeiten bei P&G

Tipps für Student:innen der Uni Frankfurt

Gloria Mennekes ist Category Management Director bei Procter und Gamble in Schwalbach und seit 17 Jahren im Unternehmen. Zusätzlich zu ihrem eigentlichen Job ist die zweifache Mutter auch Leiterin des Campus Recruiting Teams für die Goethe-Universität.

Gloria, ihr macht fast jedes Semester ein Bewerbertraining im Workshop-Programm der Universität Frankfurt. Kannst Du ein paar Worte zu Bewerbungen sagen und was dabei für P&G wichtig ist?

Der Bewerbungsprozess bei P&G besteht aus vier Schritten: Online-Bewerbung, Online- Assessments, Vorstellungsgespräch und am Ende hoffentlich das Angebot.

Wir starten also mit einer Online-Erfassung der relevanten Daten. Da geht es um die grundlegenden Aspekte wie Schul- und Studienabschlüsse, Sprachkenntnisse, Arbeitserlaubnis und je nach Stelle auch um andere Dinge wie beispielsweise einen Führerschein. Hier sollte immer genau auf den Text der Stellenausschreibung geachtet werden und dann auf sorgfältige Antworten. Überraschenderweise werden viele Bewerber: innen an dieser Stelle aussortiert, weil sie nicht genau lesen und zum Beispiel ihre Sprachkenntnisse nicht komplett erfassen, oder nicht angeben, dass sie (als EU-Bürger: in) eine Arbeitserlaubnis für die EU haben. Wenn man dann hinterher nachfragt, löst sich das auf – aber bei der Vielzahl der Bewerbungen, die wir erhalten, können wir nicht bei jeder Bewerbung proaktiv nachfragen. Also muss es von Anfang an richtig sein. Ebenso sollten Unterlagen möglichst vollständig hochgeladen werden, da sich der Prozess sonst verzögern kann. Es empfiehlt sich, ein komplettes pdf mit allen Zeugnissen und Unterlagen in einer Datei zu erstellen. Die Dokumente sollten vernünftig und lesbar gescannt sein und die Datei nicht zu groß werden.

Bei P&G gibt es zwei Online-Assessments, viele andere Firmen machen ähnliche Test entweder online oder vor Ort. Eine gute Vorbereitung auf die Tests lohnt sich also, wenn es an die Bewerbungsphase geht. Überprüft werden in der Regel kognitive Fähigkeiten (Logik, Mathematik, Lese-Verstehen) und gewisse Aspekte der Persönlichkeit sowie die Identifikation mit den Unternehmenswerten. Dafür gibt es jede Menge Bücher im Handel, anhand derer man die kognitiven Tests üben kann, und auch die Internetseiten der Unternehmen haben oft eine Übungsmöglichkeit und genauere Erklärungen für die Tests. Wenn man sich nicht explizit vorbereitet, tut man sich deutlich schwerer, die Tests zu schaffen – die Tests laufen mittlerweile fast alle auf Zeit und wenn man die Art der Fragen vorher noch nie gesehen hat, reicht diese meist nicht aus, um schnell genug zu verstehen, zu bearbeiten und zu antworten.

Ähnlich wie bei einer wichtigen Prüfung an der Uni ist hier meine Empfehlung: gut vorbereitet und ausgeruht in diese Tests gehen, und sicherstellen, dass man nicht gestört wird. Dann hat man die besten Voraussetzungen.

Im nächsten Schritt geht es bei P&G dann weiter mit Interviews bei uns vor Ort, bzw. seit Beginn der Pandemie virtuell. Auch hier lohnt sich eine gute Vorbereitung: worauf legt das Unternehmen wert? Was braucht man, um im jeweiligen Job bzw. im Unternehmen insgesamt erfolgreich zu sein? Am besten legt man sich zu den verschiedenen Themen dann ein paar Beispiele zurecht, bei denen man die gewünschte Fähigkeit schon einmal gezeigt hat. Eine gute Mischung aus beruflichen und privaten Situationen ist für mich dabei für Studienanfänger:innen völlig in Ordnung. Typische Fragen drehen sich darum, wie man damit zurechtkommt, wenn es schwierig wird – wenn also etwas nicht so läuft wie geplant, wenn jemand im Team nicht mitarbeitet oder wie man mit einer großen Enttäuschung umgeht. Dabei gibt es meist kein richtig oder falsch, es geht vielmehr darum, ob man zum Unternehmen passt.

Natürlich gibt es auch immer wieder Interviews, bei denen kleine Case Studies vorgerechnet werden sollen oder andere Aufgaben gestellt werden. Auch darauf sollte man vorbereitet sein. Und warum es genau dieser Job und genau dieses Unternehmen sein sollen, sollte man auch erklären können. Auch bei den Interviews gilt: gut vorbereiten, in Ruhe und positiv reingehen.

Wenn man Erfolg hatte, gibt es dann ein Angebot- und wenn nicht, kann man den Bewerbungsprozess als Chance sehen, zu lernen, was man besser machen kann.

Gibt es Geheimtipps?

Geheimtipps eher nicht – aber tatsächlich finde ich es als Campus Recruiting Verantwortliche für Frankfurt immer wieder überraschend, dass mehr Studierende als gedacht in den ersten beiden Bewerbungsschritten bereits eine Absage erhalten. Ich kenne die Uni Frankfurt als anspruchsvoll bei allem, was mit Mathematik und Logik zu tun hat, deswegen hat mich das verwundert. Ich schätze, es liegt manchmal an der fehlenden Vorbereitung auf die Tests oder vielleicht werden auch die Standardfragen nicht immer ganz so sorgfältig ausgefüllt. Ich denke, das wäre also auch mein erster (nicht ganz so geheimer) Geheimtipp: gut vorbereiten und dann in Ruhe bewerben und die Tests machen. Schließlich geht es um eine wichtige Sache – den ersten Job, den Karrierestart – das sollte man nicht überstürzen.

Ein weiterer Tipp von mir basiert darauf, was ich oft bei Gesprächen mit Studierenden bemerke: dass sich viele scheuen, Dinge im Lebenslauf anzugeben, die für den Arbeitgeber relevant sein können. Du hast dir dein Studium finanziert, indem du gekellnert hast oder im Supermarkt Regale aufgefüllt hast? Das war sicher nicht leicht, zeugt von Durchhaltewillen und vermittelt mir den Eindruck, dass du anpacken kannst. Du hast nach dem Abitur eine Rucksackreise durch Asien oder drei Monate Interrail durch Europa gemacht? Das zeigt mir, dass du wahrscheinlich schonmal in der Situation warst, völlig auf dich allein gestellt in einer fremden Kultur damit zurechtzukommen, dass etwas nicht nach Plan lief. Dann wird dich auch im Arbeitsleben nicht alles gleich umhauen. Du trainierst zwei Mal die Woche die Kindermannschaft im Turnverein? Also hast du wohl Nervenstärke und bist es gewohnt, Führungsverantwortung zu übernehmen. So etwas kann man durchaus auch in den Lebenslauf schreiben und im Interview erwähnen, weil sich daraus wichtige Schlüsselkompetenzen ableiten lassen.

Wie ist denn momentan die Arbeitsweise bei euch – eher virtuell oder im Büro?

Momentan geht es langsam wieder zurück ins Büro, wobei auch immer noch viele Meetings virtuell stattfinden. Gesundheit und Sicherheit stehen bei P&G an erster Stelle. Eine offizielle Festlegung über die zukünftige Arbeitsweise gibt es bei P&G noch nicht, wir waren da aber immer schon sehr flexibel. Für mich persönlich hat beides Vorteile – arbeiten von zu Hause erlaubt mir eine gute Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Karriere. Aber ich freue mich auch wirklich immer, meine Kolleg:innen in echt zu sehen und mich bei einem Kaffee oder einem Lunchdate persönlich auszutauschen. Gerade mit Blick auf den Start in den Beruf finde ich es besonders wichtig, vor Ort sein zu können, denn man hat anfangs so viele kleine Fragen und wenn man mal schnell im Team nachfragen kann, ist das im Büro viel einfacher als virtuell. Auch die Atmosphäre und Kultur einer Firma bekommt man viel besser mit, wenn man gemeinsam im Büro arbeitet.

Du hast eben Kind & Karriere erwähnt – wie ist das für Dich?

Wie man Kindererziehung und Karriere verbindet, ist immer eine sehr persönliche Entscheidung. Aber man muss sich bewusst sein, dass es immer ein Kompromiss ist, nie eine perfekte Lösung. Wer mehr Zeit im Job verbringt, hat weniger Zeit mit den Kindern und muss sie wahrscheinlich auch mehr fremd betreuen lassen. Wer mehr Zeit mit den Kindern verbringen möchte, muss dabei meistens auch Einschränkungen der Karriere in Kauf nehmen. Das gilt für Männer genauso wie für Frauen.
Wenn ich mich bei meinen Freundinnen umhöre, ist die Vereinbarkeit leider wirklich nicht selbstverständlich. Wir haben bei P&G viele Arbeitsmodelle, die man nutzen kann, um eine Lösung zu finden, die funktioniert. Davon habe ich auch schon einige ausprobiert. Ich bin P&G sehr dankbar dafür, dass ich auch in Teilzeit einen spannenden Job machen kann, der zum Unternehmensergebnis beiträgt.

Karriereplaner - Ausgabe: WS 2021/2022