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Bewerbungstipps:
Stellenausschreibungen richtig lesen

Interview mit Dr. Bernd Slaghuis – Karriere- und Business-Coach

5 Jahre Berufserfahrung, exzellente Abschlussnoten, Auslandserfahrung … Wenn das alles in der Stellenausschreibung gefordert wird, ist es doch von vornherein zwecklos, mich zu bewerben – oder? Wie man die Anforderungen von Stellenanzeigen richtig einschätzt, verrät hier Dr. Bernd Slaghuis, Karriere- und Business-Coach aus Köln.

Viele Recruiter fordern mehrere Jahre Berufserfahrung von Bewerbern, nur wenige Stellen sind direkt für Absolventen ausgeschrieben. Wie soll man da den Einstieg finden?

Ja, viele Arbeitgeber suchen immer noch die eierlegende Wollmilchsau. Dennoch gibt es auch Stellen für Absolventen. Suche gezielt nach Trainee-Stellen, Positionen mit „Junior“ im Titel oder nach Einstiegspositionen, mit denen Unternehmen Führungsnachwuchs rekrutieren möchten, wie etwa im Inhouse-Consulting.

Ich bringe nicht alle geforderten Kenntnisse mit – kann ich mich trotzdem auf die Stelle bewerben?

Achte im ersten Schritt weniger auf die Anforderungen, sondern frage dich, ob du Lust auf diese Stelle hast und du dir die mit der Position verbundenen Aufgaben selbst zutraust. Überlege, welche Kenntnisse dir hierfür noch fehlen und ob du glaubst, dass sie wirklich ein k.o.-Kriterium sind, dich einzustellen. Wer sagt, ob du einen Job im Marketing als Geisteswissenschaftler oder Ingenieur nicht genauso gut oder sogar besser machst wie ein Betriebswirt? Grob gilt: Erfüllst du mehr als 60 Prozent der Anforderungen, dann bewirb dich.

Woran erkenne ich, welche geforderten Kenntnisse für die Stelle wirklich wichtig sind und welche ich mir gegebenenfalls noch im Laufe der Zeit dort aneignen kann?

Begriffe, wie „idealerweise“ oder „wünschenswert“ verraten in Stellenausschreibungen die Relevanz der geforderten Kenntnisse. Zudem sind die Anforderungen meist nach Wichtigkeit sortiert. Je weiter hinten in der Aufzählung, umso unwichtiger. Versetze dich in die Position hinein und frage dich selbst, was du wohl von Beginn an können musst und was du auch mit der Zeit noch lernen kannst.

In fast allen Stellenanzeigen stecken Schlagworte wie „teamfähig“ und „belastbar“. Wie wichtig sind diese persönlichen Eigenschaften für die Stelle tatsächlich und ist „belastbar“ nicht ein Synonym für „Vorsicht, Burnout vorprogrammiert!“?

Keine Panik! Diese Begriffe findest du heute in jeder Stellenausschreibung und mal ehrlich, in welchem Job wirst du nicht gut im Team arbeiten müssen? Bewerte diese Worthülsen nicht zu stark, denn was sich genau dahinter verbirgt, ist reine Spekulation. Und plappere sie in deiner Bewerbung nicht nach, sondern schaffe besser Klarheit im Anschreiben, was ein Team konkret von dir hat oder woran dein künftiger Chef bemerken wird, dass du besonders kommunikationsstark bist.

Oft wird aus der Auflistung der Aufgaben nicht ganz klar, um was es bei der Stelle tatsächlich geht. Wie kann ich das aus der Stelle herauslesen und sollte ich mich mit solchen Fragen an den angegebenen Kontakt wenden? Wirkt das engagiert oder eher uninformiert?

Meine Erfahrung zeigt, dass nachfragen in diesem Fall wenig bringt. Besonders in Konzernen wissen Mitarbeiter in der Personalabteilung oftmals nicht genau, welche Aufgaben im Detail hinter einer Position in den Fachbereichen stecken. Wenn der Arbeitgeber für dich interessant ist und die Stelle passen könnte, dann bewirb dich und kläre alles Inhaltliche im Bewerbungsgespräch. Stellt sich heraus, dass die Stelle anders als gedacht ist, kannst du dich immer noch dagegen entscheiden.

Wie finde ich für die Stellensuche die passenden Schlagworte? Die Titel von Stellenanzeigen werden schließlich immer vielfältiger.

Ja, hier ist Kreativität gefragt. Suche nach deutschen und englischen Jobtiteln und verfeinere deine Suche mit der Zeit. Google auch mal nach Jobbörsen, die zu deinen Zielpositionen und Wunscharbeitgebern passen. Es gibt spezielle Portale nach Studienrichtungen, für den regionalen Mittelstand oder etwa für Jobs in Non-Profit-Organisationen. Mein Tipp: Lege dir eine Liste mit Schlagworten und Jobtiteln, attraktiven Arbeitgebern und auch Jobbörsen an, die zu guten Ergebnissen führen, so dass du aus der Suche lernst und sie mit der Zeit immer treffsicherer wird.

Weitere Informationen rund um Bewerbung und Karriere findest du auf der Website von Dr. Bernd Slaghuis und seinem Karriere-Blog: www.bernd-slaghuis.de

Karriereplaner - Ausgabe: WS 2019/2020