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Interview mit Simone Klein, Bewerbungsberaterin und Autorin

Die Fragen stellte Jessica Kuch

Die Alumna der Goethe-Universität, Simone Klein studierte Germanistik und Skandinavistik. Sie arbeitet heute als Autorin und coacht Kandidaten unterschiedlicher Branchen bei Bewerbungsprozessen. 2013 erschien Ihr Buch „Die Korrektorenfalle“, Schauplatz Goethe-Universität.

Was haben Sie studiert und in welchem Zeitraum?
Ich habe vom Wintersemester 1994 / 1995 bis zum Wintersemester 1999 / 2000 Germanistik und Skandinavistik in Hauptfach/ Hauptfach Kombination an der Goethe-Universität studiert. Im 9. Semester habe ich mich zu den Prüfungen angemeldet und im November 2000 wurde ich von der Philosophischen Prüfungskommission, Fachbereich 10, als Doktorand angenommen und hatte im Februar 2005 meine Disputation. Mein Erstgutachter war Prof. Hans-Heino Ewers vom Institut für Jugendbuchforschung.

Warum haben Sie sich für ein Germanistik bzw. Skandinavistik-Studium entschieden?
Das Skandinavistik-Studium rührte daher, dass ich unbedingt Norwegisch lernen wollte, um jeden Preis dieser Welt. Selbst zu Schulzeiten schon, nur damals gab es keinerlei Angebote dieser Art und da bot sich die Uni an. Ich entschied mich für ein Studium in Frankfurt. Ich kniete mich in die Studienordnung rein und entschloss mich für ein Magisterstudium mit zwei Hauptfächern. Da mein Interesse neben Neuerer Literaturwissenschaften der Kinder- und Jugendliteratur galt, war ich in Frankfurt am richtigen Ort.

Wie verlief Ihr Studium?
Ich habe geradlinig und schnell mein Studium absolviert. Ich hätte mich normalerweise schon gerne nach dem 8. Semester zur Magisterprüfung angemeldet. Aber leider war im 8. Semester mein Hauptprüfer in Skandinavistik verstorben und so musste ich durch Umwege einen neuen Prüfer finden. Letztlich habe ich an der Uni Münster Fremdprüfungen absolviert. Den Kontakt hatte ich selbst hergestellt. Ich hatte das Vergnügen meine Prüferin im Rahmen eines Hearings an der Universität Frankfurt zu erleben und wusste, dass sie sich auch mit Kindheitsbildern in der skandinavischen Literatur auseinandersetzte. Der Vortrag war wunderbar und begeisterte mich, deswegen ist dann meine Wahl auf sie gefallen und ich habe sie spontan angerufen. Sie sagte zu und ich danke hier auch nochmal dem Philosophischen Prüfungsamt, insbesondere Frau Marx für ihr Engagement. Neben dem Studium habe ich viel Sport gemacht, Sprecherziehungsunterricht und Gesangunterricht genommen, immer sehr viel auf Eigeninitiative gesetzt und aufwendige Jobs, wie beispielsweise beim Hessischen Rundfunk ausgeführt.

Sie haben neben Ihrem Studium gejobbt, welche Jobs waren das?
Bereits vor meinem Studium habe ich gejobbt. Während der Semesterferien arbeitete ich zunächst für einen großen Flugturbinenhersteller. Ein ganz normaler Bürojob, technisch angehaucht und teilweise befand sich mein Schreibtisch in der Werkhalle. Im Hauptstudium, März 97, habe ich in Vertretung als Produktionsassistentin beim Rundfunk gearbeitet. Alles hatte immer sehr schnell zu gehen, das heißt man musste die Schnitte und Kamerateams anmelden, abrechnen und all den Verwaltungsakt, der hinter einer Produktion steht, bewältigen. Für mich war es ein Kindheitstraum für den Rundfunk zu arbeiten. Nach der Zeit in der Produktion arbeitete ich als Vertretung in mehreren Redaktionen, immer in Administrationsfunktionen. Um endlich einen „echten“ redaktionellen Einblick zu erhalten, hospitierte ich im Sommer 1997, sechs Wochen beim ZDF Kinderfernsehen. Zu meinen Aufgaben gehörte viel Recherchearbeit, ich habe das Redaktionsteam auf Themen aufmerksam gemacht und habe viele Themenbereiche eigenständig recherchiert.

Hatten Sie Kontakte oder wie kamen Sie zu Ihren Jobs?
Nein, das alles erreichte ich durch viel Eigeninitiative und Engagement. Heute und auch schon damals war ich glücklich und stolz, das alles alleine erreicht zu haben.

Von was handelte Ihre Promotion?
Meine Doktorarbeit handelte von der Rezeption des skandinavischen Adoleszenzromans in Deutschland. Ich habe mich mit deutschen Übersetzungen skandinavischer Adoleszenzliteratur befasst und ihre Auswirkungen auf die deutschsprachige Jugendliteraturforschung unter die Lupe genommen.

Wie verlief Ihr Berufsweg?
Nach den Rundfunk- und Fernsehjobs glaubte ich zunächst, nicht der richtige Mensch für die Medien zu sein, zumindest nicht dauerhaft. Die freie Wirtschaft zog mich als strukturierte Person an. So fing ich an mich für das Personalwesen zu interessieren. Das eigene Gestalten von Bewerbungen und Lebensläufen hat mir schon immer unwahrscheinlich Spaß gemacht, ich hab das wahnsinnig ernst genommen und immer wenn mir ein Personaler begegnet ist, hatte ich unglaubliche Ehrfurcht vor ihm. Sie waren immer sehr nett und ihr Beruf interessierte mich. So entstand der Wunsch im Personalwesen Fuß zu fassen. Während der Doktorarbeit arbeitete ich in Teilzeit als Assistentin im Personalwesen eines amerikanischen Finanzdienstleisters. Teilweise konnte ich Einblicke in Bewerbungsmappen nehmen und mir meine Meinung über Bewerbungen bilden.
Vormittags ging ich arbeiten und nachmittags saß ich an der Doktorarbeit. In der Hochphase spürte ich den Wunsch nach meinem eigenen Buch und so kam ich zum Schreiben. 2006 habe ich einen schwedischen Jugendkrimi ins Deutsche übersetzt. Nach Abschluss meine Doktorarbeit wurde ich von einem Schweizer Executive Search-Unternehmen abgeworben und kam einige Jahre später zu einer Großbank in die Rekrutierungsabteilung, bevor ist mich als Beraterin selbstständig machte. Zusätzlich schreibe ich Bücher und Rezensionen.

Wann entstand der Wunsch zu schreiben?
Als Kind konnte ich mit vier Jahren eigenständig lesen und dachte schon früh daran, ein eigenes Buch zu schreiben. Aufsätze lagen mir immer sehr gut. Zum Ende der Promotion kam es dann dazu. Ich wollte meinen Gedanken freien Lauf geben und nicht nach irgendwelchen Vorschriften schreiben. Also schrieb ich einen weiblichen Adoleszenzroman mit drei Stilrichtungen. Veröffentlicht wurde das Buch 2011. Das zweite Buch war ein Krimi, der in der Schweiz spielt.

2013 erschien Ihr Roman „Die Korrektorenfalle“. Er spielt in Ihrer ehemaligen Heimat Mainhattan und an der Goethe-Universität. Wie kam es zu diesem Buch?
Als ehemalige Studierende der Goethe-Universität ist mir diese Kulisse vertraut. Ich weiß wie es dort aussieht, kenne das Umfeld und das Unileben. Die Mediendidaktik in Frankfurt habe ich frei erfunden, denn alles sollte rein fiktiv sein.

Worum geht es im Buch?
Klappentext: „Ein Schweizer in Mainhattan! Bevor sich Kriminalkommissar Huber in Frankfurt am Main richtig eingewöhnen kann, kommt es zu einem Mord an der Goethe-Universität. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter wird in seinem Büro am Institut für Mediendidaktik erschossen. Sein Doktorvater und der Leiter der internationalen Graduiertenförderung geraten ins Fadenkreuz der Ermittlungen. Huber erkennt schnell, dass die Machenschaften am Institut undurchsichtig sind und ein lebhafter Promotionstourismus betrieben wird. Die Bilderbuchakademiker sind nicht so akademisch, wie sie glauben machen wollen. Hubers Schweizer Charme erleichtert ihm den Zugang zu den Befragten, insbesondere zu den weiblichen. Denn zum Glück hat die Stadt am Main noch viele andere interessante Seiten zu bieten!“

Wie viele Stunden die Woche arbeiten Sie?
Grundsätzlich fast immer, wobei die Abläufe immer wechseln. Dabei gleicht kein Tag dem anderen. Im Moment schreibe ich an einem Buch über Bewerbungscoaching.

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus?
Ich stehe relativ früh am Tag auf, meistens zwischen sieben, halb acht, je nachdem was ansteht auch früher. Das erste ist eigentlich der Mail-Check und Netzwerken. Danach variiert der Tagesablauf. Und ich passe darauf auf, dass ich zwischendurch immer noch Sport mache.

Ihr Tipp für Studierende, wie Sie ihren Berufseinstieg oder ihre Berufswünsche am besten meistern:
Berufswünsche müssen sich erst mal entwickeln. Wenn ich heute Studierende vor mir habe, äußern die meisten, dass sie etwas mit Reisen oder Medien machen möchten und ich muss immer wieder feststellen, dass sie gar keine Vorstellung von diesen Jobs haben. Dabei stehen auch in großen Unternehmen, wie bei Banken und in der IT-Branche, spannende Berufe zur Auswahl. Einfach mal versuchen, reinzuschnuppern. Und bei Absagen nicht aufgeben, sondern weiter machen. Irgendwo und irgendwann wird es klappen. Manchmal verstecken sich auch hinter neuen und ungewohnten Jobs, Traumberufe.

Karriereplaner - Ausgabe: SS 2015