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... und wie effizient liest Du?

Lesetechnik für Einsteiger
Jessica Büttel – Improved Reading

Eins vorweg: Auch nach einem Improved Reading-Training könnt ihr euch entspannt auf‘s Sofa kuscheln und einen schön geschriebenen Roman in aller Ruhe Wort für Wort genießen. Es ist wie beim Laufen: Wer auf 100 Meter 10,7 Sekunden schafft, kann natürlich auch geruhsame Waldspaziergänge unternehmen – aber umgekehrt ...?

Lesen zählt zu den Hauptbeschäftigungen der meisten Studierenden. Wie schnell und gut sich jemand durch Prüfungsliteratur hindurch arbeitet, entscheidet maßgeblich über den Studienerfolg. Dennoch wissen erstaunlich wenig Studierende darüber Bescheid, wie Lesen funktioniert und wie man effizient liest.

So wird Lesen überwiegend als rein intellektuelle Beschäftigung angesehen. Dass die gedruckten Symbole zunächst von den Augen aufgenommen werden müssen, übersieht man meist. Wenn nun aber die Blickprozesse nicht optimal sind, kann auch das Gehirn nicht sein volles Potenzial entfalten. Die wissenschaftliche Blickforschung hat z. B. nachgewiesen, dass das Auge problemlos mehrere Wörter auf einmal erfassen kann, während wir vielfach daran gewöhnt sind, nur Wort für Wort zu lesen. Außerdem werden die Augen nicht konsequent vorwärtsorientiert durch den Text geführt, sondern mit häufigen Rücksprüngen. Wenn wir diese Lesefehler weglassen, sind wir konzentrierter, verstehen den Text besser und sind schneller.

Effizientes Lesen heißt, dass man nicht alles gleich schnell liest, sondern sowohl Lesetempo als auch Leseintensität bewusst variiert. Schon vor dem Lesen sollten wir uns auf den Leseprozess einstimmen, damit wir wissen, wie anspruchsvoll oder wie wichtig der Text für uns ist. Anschließend entscheiden wir, ob wir nur die Hauptgedanken des Textes oder sogar nur einzelne Informationen erfassen möchten oder ob wir ihn sehr gründlich lesen möchten; dafür gibt es jeweils Techniken, die im Improved Reading-Kurs vermittelt werden.

Eins ist klar: Wenn Ihr Euch einen Text wirklich gut einprägen wollt, reicht es in keinem Fall aus, ihn nur schnell zu lesen und dann beiseite zu legen. Bei den wichtigen und schwierigen Texten muss ein mehrstufiges Vorgehen, inklusive Nachbereitung und Wiederholungen erfolgen. Dafür hat sich die bekannte Formel PQRST bewährt, die die wesentlichen Arbeitsschritte zusammenfasst:

P = Preview:
Vorausschau auf den Text zur Einstimmung auf den Leseprozess (siehe Sofort-Tipps, Punkt 2)

Q = Question:
Wer wenig fragt, erhält wenig Antworten. Am besten liest man nicht einfach munter drauflos, nach dem Motto „alles ist wichtig“, sondern stellt sich Fragen, was man aus dem Text herausziehen möchte – am besten schriftlich.

R = Read: Beim Lesen die Geschwindigkeit je nach Schwierigkeit und Wichtigkeit variieren. Tipp für die schwierigen Texte: Lieber zweimal hintereinander zügig und ohne zurückzuspringen lesen als einmal ganz langsam und mit dem Anspruch, alles sofort verstehen zu müssen. Dabei geht ihr am besten absatzweise vor: Einen Absatz zügig und vollständig lesen (kein Querlesen), damit ihr ungefähr wisst, worum es geht; gleich danach noch einmal und dann mehr auf die Details hin orientiert.

S = Summarize:
Den Text zusammenzufassen bedeutet im einfachsten Fall, die wichtigsten Stellen zu markieren / unterstreichen (sparsam! am besten nur den einen Hauptgedanken pro Absatz). Wenn ihr mehr Zeit investieren möchtet, schreibt ihr euch Exzerpte heraus oder entwerft eine Mind- Map („Gedankenlandkarte“).

T = Test:
Das Testen beginnt schon damit, dass ihr euch die Notizen einfach noch einmal oder – am besten – mehrmals anschaut. Es kommt nicht darauf an, möglichst oft zu wiederholen, sondern intelligent: Die erste Wiederholung sollte zeitnah zum ersten Lesen erfolgen, am besten noch am selben Abend – denn schon 24 Stunden später hat man sonst über die Hälfte wieder vergessen. Von da an sollten die Abstände zwischen den Wiederholungen (am besten noch drei) immer größer werden, weil sich so das Gelernte am besten verfestigt. Der beste Weg sich zu testen, ist übrigens, anderen in eigenen Worten davon zu erzählen. Überhaupt ist es sinnvoll, mit anderen zusammen zu lernen: Der Austausch in der Gruppe erhöht den emotionalen Bezug zum Lernen, und das befördert die Merkfähigkeit.

Lesen ist zu wichtig, um sich mit seiner Weiterentwicklung auf der Basis von Grundschultechniken zu begnügen. Macht euch das Leben / Lesen leichter mit besseren Techniken!

Effizientes Lesen muss man üben! Das 2-tägige Improved Reading-Intensivtraining ermöglicht es, jahrelange Lesegewohnheiten sofort und nachhaltig signifikant zu verbessern. Die typischen Lesefehler werden abgebaut und neue, effiziente Routinen verinnerlicht. Mit dem CAMPUSERVICE der Goethe-Universität Frankfurt gibt es schon seit acht Jahren eine Kooperation, die es ermöglicht, den Kurs deutlich kostengünstiger anzubieten als sonst (Normalpreis 450 Euro aber hier für Studierende 190 Euro).

Termine: Lesetrainings an der Goethe-Universität Frankfurt Sommersemester 2017:

22./23.04.2017 10 - 17:30 Uhr
Raum SH 3.105, Campus Westend

28./29.10.2017 10- 17:30 Uhr
Raum SH 3.101, Campus Westend

04. / 05.02.2017 10 - 17:30 Uhr
Raum SH 3.101, Campus Westend


Alle Infos und Anmeldung unter www.careercenter-zq.de oder unter www.improved-reading.de

Es gibt auch ein Buch zum Kurs, das ebenfalls detaillierte Einblicke in Theorie und Praxis des effizienten Lesens liefert: Wolfgang Schmitz: Schneller lesen – besser verstehen, Rowohlt Verlag, 8. neu überarbeitete Auflage, September 2013.

Kostenlose Infoveranstaltungen
06.10.2017, 16–18 Uhr Raum SH 3.105, Campus Westend

5 Tipps für effizientes Lesen

1. Wenn die Gedanken abschweifen: Lies schneller.
Kennst du das? Die Augen gleiten über die Seite, aber die Gedanken sind ganz woanders ... und am Ende musst du alles nochmal lesen: eine typische Folge geistiger Unterforderung durch zu langsames Lesen! Wir können Informationen mit bis zu 800-1000 Wörtern pro Minute verarbeiten, aber die meisten Menschen lesen nur 200-300 Wörter pro Minute: Dreiviertel der Gehirnkapazität sind beim Lesen mit anderen Dingen beschäftigt. Wenn du das nächste Mal unkonzentriert bist, lies einfach bewusst schneller. Du wirst feststellen, dass es dir eher gelingt, gedanklich bei der Sache zu bleiben.

2. Vor dem Lesen: Vorausschau.
Mithilfe einer Vorausschau kannst du schnell erkennen, welche Bedeutung ein Text für dich hat: Blättere ihn Seite für Seite durch, und achte dabei bewusst auf „Sinnsignale“. Verweile nur wenige Sekunden auf jeder Seite, bleib nicht im Text „kleben“. Lass dich überraschen, wie viel du vom Inhalt aufnimmst, wenn du nur auf Überschriften, Fettdruck, Aufzählungen, lange/ungewöhnliche Wörter achtest. Die Absatzanfänge enthalten häufig die Kernaussagen. Wenn dir der Text nach der Vorausschau wichtig erscheint, kannst du ihn zügiger und zielorientierter lesen, weil du damit gedanklich besser auf den Inhalt eingestimmt bist.

3. Dein Interesse zieht dich nach vorn.
Ständiges Zurückspringen aus Unsicherheit oder Perfektionismus blockiert sowohl das Tempo als auch das Verständnis. Orientiere dich beim Lesen nach vorn, und nimm stets einen Sinnabschnitt als Ganzes in der Logik des Textes auf (Kapitel, Absatz). Interessante Texte ziehen dich automatisch nach vorne; umgekehrt steigert ein schnelleres Lesetempo das Interesse am Text fast automatisch, weil das Gehirn stärker gefordert wird.

4. Schwierige Texte: 2x zügig.
Versuche gar nicht erst, einen schwierigen Text gleich beim ersten Mal komplett zu verstehen. Lies einen überschaubaren Abschnitt beim ersten Mal zügig und konzentriere dich nur auf die Hauptgedanken – ignoriere die Lücken zunächst. Gleich danach liest du noch einmal und kannst dabei die relevanten Einzelheiten besser einordnen. So wirst du schneller und vor allem motivierter lesen.

5. „Chunken“ statt Wort-für-Wort-Lesen.
Als Normalleser springt man meist von einem Wort zum nächsten – das kostet Zeit und behindert das Verständnis, das sich über isolierte Wörter nicht so schnell erschließt. „Chunken“ bedeutet, mehrere Wörter gleichzeitig aufzunehmen (engl. „chunk“ = großer Brocken): Es erfordert weniger Augenstopps (Fixierungen), und du liest in Bedeutungseinheiten, die mehr aussagen, als einzelne Wörter.

Beispiel:

Diese und weitere Techniken werden im Improved Reading Kurs so eingeübt, dass eine sofortige Veränderung spürbar ist und neue Leseroutinen nachhaltig verinnerlicht werden.

Karriereplaner - Ausgabe: SS 2017