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Heiko Kölle, Dozent am Zentrum für Weiterbildung im Schlüsselkompetenzprogramm

Die Fragen stellte Yvonne Maienschein, Personalberaterin im CareerCenter

Herr Kölle, Sie sind Dozent am Zentrum für Weiterbildung im Schlüsselkompetenzprogramm für Studierende der Goethe-Universität Frankfurt. Was genau ist das Zentrum für Weiterbildung?
Universitäten haben neben der Lehre, dem Studium, der Forschung eine weitere Aufgabe zu erfüllen, die Weiterbildung. Die Goethe-Universität hat unter dem Zentrum für Weiterbildung aber auch viele weitere Bereiche zusammengefasst: e-Learning (studiumdigitale), Fremdsprachen, Fernstudium, Wissenschaftliche Weiterbildung, Innerbetriebliche Weiterbildung, Netzwerk WissWeit (Weiterbildungsverbund der hessischen Hochschulen) und die Schlüsselqualifi kationen (Soft Skills) für Studierende. Die Umstellung der Studiengänge im Sinne der Bologna-Kriterien verlangt von den Hochschulen, die Berufsbefähigung (employability) angemessen zu fördern und entsprechende fachübergreifende Qualifi kationsangebote bereitzustellen. Das hat der Leiter des Zentrums für Weiterbildung Dr. Hans-Henning Kappel zum Anlass genommen, mit seinem Team ein umfangreiches Programm aufzubauen, das nicht nur die „Beschäftigungsbefähigung“ zukünftiger Füh rungs kräfte erhöhen, sondern ein Stück zur „Bildung“ der autonomen und verantwortungsbewussten Persönlichkeit im Sinne von Pestalozzi und Humboldt beitragen soll. Dem Team gehören an: Brigitte Haupers als organisatorisch Verantwortliche, Martine Lapière in ihrer Eigenschaft als Verwaltungsleiterin und studentische Hilfskräfte. Als neue Mitarbeiter im Team sind nun Paul Abbott, der seine Veranstaltungen in englischer Sprache durchführt. Meine Person ist, mit einem Team von externen Dozenten, für die Seminare in deutscher Sprache verantwortlich. Besonderen Dank gebührt Helmut-Gerhard Müller als externer Dozent, der seit 2007 die inhaltliche Konzeption und die Durchführung von Veranstaltungen übernommen hat.

Welche Services bietet das Programm Schlüsselkompetenzen für Studierende?
Das Zentrum für Weiterbildung bietet ein umfangreiches, qualitativ hochwertiges und kostenfreies Programm für alle Studierende der Goethe-Universität an. Die Seminare Angebote decken ein breites Spektrum von Sozial-, Methoden- und Selbstkompetenzen ab. Es gibt z. B. Veranstaltungen zu Kommunikation, Rhetorik, Problemlösungskompetenz; es werden Strategien zur Konfl ikt- und Stressbewältigung erworben, mit Mnemotechniken das Lernen gelernt, wissenschaftliches Schreiben bzw. Arbeiten vermittelt, ethische Positionen und emotionale Intelligenz in den Mittelpunkt gestellt, aber auch Bewerbungen, Assessment-Methoden und Karriere-Planung behandelt. Es gibt Tagesund Zweitagesveranstaltungen zur Medienkompetenz, interkulturellen Kompetenz, auch in Englisch und sogar zu „Anstand und Benimm“ u.v.m.

Wie und wo muss man sich anmelden?
Die Anmeldung erfolgt über die Webadresse: www.softskills.uni-frankfurt.de. Hier fi nden Studierende auch die ausführliche Programmbeschreibung als Download.

Warum sind Soft Skills wichtig? Welche Soft Skills empfehlen Sie besonders?
Das Ziel und das Besondere an Bildung ist, dass unser Horizont erweitert, an den eigenen Einstellungen und Eigenschaften gearbeitet und darüber die Persönlichkeit geformt wird. Die Bedeutung von Soft Skills zu beschreiben, würde dieses Interview sprengen. Aber lassen sie mich am Beispiel einer Gallup-Studie, genauer gesagt, den Ergebnissen zum Engagement-Index etwas verdeutlichen. Die Situation der Unternehmer am Standort Deutschland lässt sich so beschreiben: zu teuer, zu langsam und zu verkrustet. Analysen zeigen, dass die Probleme anscheinend hausgemacht sind; in etlichen Unternehmen sind Strukturen gewuchert, die schnelles und effi zientes Wachstum verhindern. Laut Löhner (2010) sind aufgrund der Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre Manager und Mitarbeiter so stark verunsichert, dass sie aus Angst um ihren Job vorrangig mit Hahnenkämpfen und Profi lierungsspielen befasst sind oder sie ziehen sich in eine sichere Ecke des Unternehmens zurück, um dort möglichst nicht aufzufallen1.
Effektives und kreatives Arbeiten ist unter diesen Umständen nur sehr schwer möglich, Deutschland kann im internationalen Vergleich, unter diesen Voraussetzungen, keinen Spitzenplatz bezüglich der Innovationskraft einnehmen2.
Schlüsselqualifi kationen sind „erwerbbare allgemeine Fähigkeiten, Einstellungen und Strategien, die bei der Lösung von Problemen und beim Erwerb neuer Kompetenzen in möglichst vielen Inhaltsbereichen von Nutzen sind“3. Innerhalb der Hochschule mit Beispielen aus der Wirtschaft für die Schulung von Schlüsselkompetenzen zu argumentieren, kann durchaus kritisch betrachtet werden. Als langjähriger Trainer und Coach wage ich trotzdem zu behaupten, dass es nicht nur den deutschen Führungskräften an sozialen Kompetenzen mangelt.
Zu den Schlüsselqualifikationen zählen alle Fähig- und Fertigkeiten, die für den persönlichen und berufl ichen Bereich nützlich sind, dazu zählen im weiteren Sinne auch Fremdsprachenkenntnisse, Wissen über Führung, interkulturelles Wissen, Achtsamkeit, Emotionale Intelligenz etc. Im engen Sinne also Sozial- und Selbstkompetenz, ganz besonders Fähigkeiten, die uns den Schlüssel liefern, mit anderen Menschen einen anständigen Austausch zu gestalten.

Was würden Sie Studienanfänger/innen raten, wenn es um studienbegleitende Nebenjobs geht?
Studienanfängern würde ich erst einmal raten, sich wirklich in der Anfangszeit auf das Studium und die Freude am eigenen Fach zu konzentrieren, anstatt auf die Frage: „Wel- chen Beruf kann ich damit später ausüben oder bekomme ich überhaupt einen Job?“. Der vorbildliche Fall würde so aussehen, dass der studienbegleitende Job Berührungspunkte zum eigenen Studienfach aufweist. Das ist bei einer späteren Bewerbung als roter Faden durchaus von Bedeutung. Ich möchte allerdings betonen, dass es für eine berufl iche und persönliche Weiterentwicklung nicht das einzige und alleinige Rezept gibt. Hilfestellung kann hier das CareerCenter oder die Zentrale Studienberatung – Karriereberatung der Goethe-Universität Frankfurt.

Was würden Sie allgemein jemandem raten, der jetzt gerade mit seinem Studium beginnt?
Am Anfang eines Studiums ist die Orientierung an der Universität ein wichtiger Punkt. Dazu geben die entsprechenden Fachschaften mit Erstsemesterveranstaltungen wichtige Informationen und Unterstützung. Darüber hinaus ist eine Vernetzung mit den eigenen Kommilitonen von Bedeutung. Wir bieten ab dem SS 2011 eine 14-tägliche Veranstaltung an mit dem Namen: „Erfolgsteam – erfolgreich in Begleitung studieren“. Diese ermöglicht den Studierenden ein Netzwerk zu gründen und sich gegenseitige Hilfestellungen zu geben, das Ganze fi ndet mit professioneller Anleitung eines Trainers statt.

Gibt es noch etwas, was Sie den Studierenden und Absolventen/innen unserer Universität gerne mitgeben möchten?
Ich hoffe, dass sich die Studierenden und zukünftigen Absolventen auch über das Studium oder den Abschluss hinaus mit der eigenen Hochschule identifi zieren. Im Rahmen der Tätigkeit als Trainer für Schlüsselqualifi - kationen, die eben vor allem die Schulung von sozialen und Selbstkompetenzen zum Ziel haben, liegt mir die Bildung der Persönlichkeit am Herzen. Ich möchte gerne darauf hinweisen, dass es besonders lohnenswert erscheint, regelmäßig über den eigenen Tellerrand zu blicken und den Horizont zu erweitern. Ganz im Sinne von Ralph Waldo Emmerson: „Wenn man nicht versucht etwas zu tun, was jenseits des bereits Gemeisterten liegt, dann wird man nicht wachsen.“

1 Löhner, M. (2005). Führung neu denken. Das Drei-Stufen Konzept für erfolgreiche Manager und Unternehmer.
Campus.
2 Stifterverband der deutschen Wirtschaft, Pressemeldung vom 20.02.2004.
3 Definition der Bildungskommission NRW (1995).

Karriereplaner - Ausgabe: SS 2011