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Wachstumsstrategien entwickeln

statt Gesetzbücher wälzen

The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale Managementberatung mit 71 Standorten in 41 Ländern. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. Um den Kundenunternehmen innovative Lösungen anbieten zu können, sind die Beraterteams stets interdisziplinär besetzt – auch Juristen sind hier gefragt.

Was macht ein Jurist in einer Unternehmensberatung? Diese Frage wird häufi g gestellt. Dabei sind die Rechtswissenschaft und Beratung viel enger miteinander verknüpft, als man oft denkt. In der Beratung gilt es, lösungsorientiert zu denken und zu handeln sowie Handlungsoptionen aufzuzeigen. Das juristische Fachwissen hilft dabei, die rechtlichen Grenzen und Risiken verschiedener Lösungen im Beratungsprojekt aufzuzeigen. Zudem habe ich in meinem Studium gelernt, komplexe Probleme zu strukturieren und meine Lösungsvorschläge überzeugend darzulegen – eine sehr wichtige Fähigkeit für einen Unternehmensberater. Als Jurist bin ich auch kein Einzelfall unter den BCG-Beratern: Gerade einmal die Hälfte meiner Kollegen hat Wirtschaftswissenschaften studiert, die anderen haben die unterschiedlichsten fachlichen Hintergründe. Diese Vielfalt ist sehr wichtig – denn gerade wenn Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammenarbeiten, entstehen oft die kreativsten Lösungsansätze.

„Exotentraining“ und Beraterwerkzeuge
Nach meiner Promotion an der Universität zu Köln habe ich 2009 bei BCG unterschrieben. Ich fand es spannend, Kunden nicht nur, wie in der Rechtsberatung oft üblich, bei „Wie“-Fragen, sondern auch bei den „Ob“-Fragen zu unterstützen. Außerdem wollte ich meinen Erfahrungshorizont durch unterschiedliche Projekte bei verschiedenen Unternehmen erweitern. Vor dem Einstieg in die Projektarbeit nehmen bei BCG alle „Newies“ ohne Wirtschaftsstudium an einem speziellen „Exotentraining“ teil. Dort wurden mir BWL-Grundlagen, zum Beispiel in Kostenrechnung und Bilanzanalyse, konzentriert vermittelt. Darauf folgten zwei Wochen Einstiegstraining, bei dem ich weitere Fachkenntnisse erlernte, die ich für die tägliche Beratungsarbeit brauche: von Finanzbuchhaltung über Marktsegmentierung bis hin zu Interview- und Präsentationstechniken. Hier lernt man auch viel über BCG und tauscht sich sowohl mit erfahrenen Beratern als auch mit anderen Einsteigern aus. Natürlich war zu Beginn vieles neu für mich. Durch das Training und vor allem dank meiner erfahrenen Kollegen konnte ich jedoch schon bald gut mit den Beraterwerkzeugen umgehen.

Aufgabenvielfalt – Prozessoptimierung und Förderung von Jugendlichen
Das Besondere an meiner Tätigkeit ist die große Bandbreite an Branchen und Themen. Man lernt ständig Neues und entwickelt sich stetig weiter. Besonders gut gefallen hat mir ein Projekt für ein Telekommunikationsunternehmen, bei dem wir unter anderem die Aufgabe hatten, den Prozess der Datenübermittlung einzelner Länderorganisationen an den Mutterkonzern zu optimieren – insbesondere aus datenschutzrechtlicher Sicht. Das fand ich toll, da ich bei der Projektarbeit mein juristisches Fachwissen mit lösungsorientiertem Denken verbinden konnte. Außerdem war das internationale Arbeiten reizvoll: Die einzelnen Tochterunternehmen waren in ganz Europa verstreut und in jedem Land gab es andere Herausforderungen zu bewältigen. Spannend war auch mein Einsatz für das Projekt JOBLINGE, eine gemeinnützige Initiative von BCG und der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG. Ziel ist es, geringqualifi zierten und sozial benachteiligten Jugendlichen einen nachhaltigen Anschluss an den Ausbildungs- bzw. Arbeitsmarkt zu ermöglichen. In einem rund sechsmonatigen praxisnahen Programm bereiten sich die Jugendlichen auf ihren Start ins Berufsleben vor. Sie werden in ihrer Persönlichkeit gestärkt, trainieren wichtige soziale und fachliche Kompetenzen und lernen in Praktika den berufl ichen Alltag kennen. Dabei werden sie individuell begleitet und gefördert. Um das alles zu ermöglichen, bündelt JOBLINGE das Engagement unterschiedlichster Akteure und Institutionen aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Wir wollen die Initiative bundesweit aufbauen und benötigen dafür rechtliche Strukturen, die den Standorten eine maximale Unterstützung gewährleisten. Die Erstellung dieser Strukturen war meine Hauptaufgabe. Ich habe mich aber auch um den Aufbau einer Online-Plattform für das Projekt gekümmert und war an der Erstellung von Fundraising-Konzepten beteiligt. Eine herausfordernde und sehr abwechslungsreiche Aufgabe, bei der ich einmal mehr auf meine im Jurastudium erworbenen Fähigkeiten zurückgreifen konnte.

Dr. Christian Brechtel,
Unternehmensberater
The Boston Consulting Group (BCG), Köln

Karriereplaner - Ausgabe: SS 2011