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Der „Dr.“ - Drum prüfe wer sich ewig bindet

von Prof. Dr. Elisabeth Schütze, Anwältin und Wirtschaftsmediatorin/ systemischer Coach bei FPS sowie Professorin für Bürgerliches Recht und Mediation an der Hochschule Aschaffenburg

Immer wieder werde ich von jungen Kollegen, Referendaren und teilweise auch Praktikanten gefragt, ob sie die Mühen einer Promotion auf sich nehmen sollen. Wer nun denkt, dass eine promovierte Professorin darauf nur „Natürlich“ antwortet, der hat sich geirrt. Vielmehr stellen sich eine Menge Fragen auf dem Weg zum „Ja zur Promotion“. Der altbewährte Spruch „Drum prüfe wer sich ewig bindet“ – hier mit dem Namenszusatz – stimmt auch in diesem Kontext. Was müssen Sie also bedenken, bevor Sie sich für eine Promotion entscheiden? Hier ein paar Fragen, die ich den „FPSYoung Professionals“ in diesem Kontext immer stelle:

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Möchten Sie als Großkanzleianwalt spannende internationale Transaktionen betreuen? Oder sehen Sie sich in einer kleinen Einheit ganz nah zum Mandanten, bspw. als Notar oder Fachanwalt für Familien- und Erbrecht? Machen Sie sich immer klar, wer wie mit Ihrem Titel in Berührung kommt und fragen Sie sich, ob Ihre „Zielgruppe“ (sei es der künftige Arbeitgeber, sei es die künftige Mandantschaft) den Titel als signifikante Zusatzqualifikation anerkennt. Natürlich kann man hier nie pauschale Aussagen treffen:
Ihre künftigen Partner/Partnerinnen in einer internationalen Großkanzlei und Ihre dortigen Mandanten dürften jedoch weit mehr an exzellenten Englischkenntnissen und herausragenden Examina interessiert sein als an einem Dr. vor Ihrem Namen. Hier kann der LL.M. eine spannende Alternative sein.

Sind Sie demgegenüber direkt am Mandanten und in einer kleineren Einheit angestellt, in der langfristig auch gezielte Mandatsakquise von Ihnen erwartet wird, könnte der Dr. durchaus interessant sein. Denn ja, auch wenn wir alle es nicht wahrhaben wollen: Deutschland ist ein Land der Titelfetischisten und mit dem Herr oder der Frau Doktor plaudert es sich für den ein oder anderen Mandanten doch viel vertrauter. Die Vermutung „Promotion = Kompetenz“ herrscht auch heute noch in vielen Köpfen vor. Insofern könnte auch ein Blick auf die Internetseite Ihrer Wunschkanzlei( en) sich lohnen: Wie viele Anwälte sind dort promoviert und in welchem Rechtsgebiet sind sie tätig?

Umso weniger Sie wissen, ob überhaupt und wenn ja wofür Ihre Promotion einmal gut sein wird, gilt: Wie motiviert sind Sie, einfach „nur so“ zu promovieren? Dabei hilft die nächste Frage, die sich im Übrigen auch diejenigen stellen sollten, die schon ein ganz klares Berufsziel vor Augen haben:

Und wenn es keinen Titel gäbe?
Und wenn es keinen Titel gäbe? Wie motiviert sind Sie, wissenschaftlich „dicke Bretter“ zu bohren? Wie viel Spaß hatten Sie im Studium an Haus- aber insbesondere auch an Seminararbeiten? Konnten Sie über einer wissenschaftlichen Fragestellung auch einmal die Zeit vergessen? Haben Sie Interesse daran, in Büchern „zu ertrinken“, mit Bibliothekarinnen über Fernleihen zu diskutieren und festzustellen, dass ständig ein neues Buch herauskommt, welches Ihr Promotionsthema behandelt? Wollten Sie auch schon immer mal einen Aufsatz veröffentlichen? Waren Sie als Student, vielleicht sogar als studentische Hilfskraft, vom wissenschaftlichen Alltag angezogen? Halten Sie es aus, lange Zeit den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen bis sich langsam, Stück für Stück, der Schleier hebt? Haben Sie Freude an Langzeitprojekten und haben Sie „Terrierqualitäten“, sich durch eine Durststrecke durchzubeißen? Wenn Ihnen all diese Fragen Panik einflößen und Sie eigentlichen antworten wollen: „Nein!“, dann sollten Sie das Projekt Promotion noch einmal gut überdenken. Natürlich gibt es Promotionsthemen, die so ausdiskutiert sind, dass von dicken Brettern nicht die Rede sein kann. Natürlich gibt es Doktormütter/- väter, deren Standards für den Titel niedrig liegen und natürlich gibt es Promotionen, für die eine Fernleihe nie erforderlich sein wird. Aber auch dann bleibt eine Promotion noch ein Langzeitprojekt, bei dem Sie auf wissenschaftlich angemessenem Niveau ein Buch verfassen. Wen das schreckt und ausschließlich der Titel reizt, der läuft in jedem Fall Gefahr, dass ihm beim „Langstreckenlauf Promotion“ nach hinten raus die Puste ausgeht. Dabei ist eine abgebrochene Promotion durchaus belastend: Ich kenne aus dem Stegreif fünf Leute, die dem angefangenen Buch in ihrer Schublade noch heute auf die ein oder andere Weise nachtrauern.

Wenn Ihnen die oben genannten Fragen demgegenüber Respekt einflößen, Sie gleichsam eine oder mehrere mit einer positiven Antwort versehen können, dann könnte das dafür sprechen, dass eine Promotion etwas für Sie ist. Dann aber lohnt es, sich weitere Fragen zu stellen.

Wie promovieren?
Die wenigsten können oder wollen es sich leisten, einfach so zu promovieren und sich von Mama und Papa gleich noch ein paar Jahre (mindestens eines!) weiter „durchfüttern zu lassen“.

Damit stellt sich die Frage:
Wie möchten Sie promovieren?

Wenn Sie sich vorstellen können, über ein/ zwei Jahre mehr oder weniger nichts anderes zu machen als zu promovieren und wenn Ihre Noten es abbilden, dann sollten Sie über ein Stipendium nachdenken. Und Stipendien gibt es mehr, als man denkt. Bleiben Sie also nicht bei den Klassikern wie der Studienstiftung stehen, sondern machen Sie sich schlau, welche weiteren Fördermöglichkeiten – vielleicht auch im Bereich Ihres speziellen Promotionsthemas – es gibt.

Wenn Sie berufsbegleitend promovieren wollen, bieten mittlerweile eine Vielzahl von Kanzleien, darunter auch FPS, Teilzeitstellen an, die Ihnen diesen Schritt ermöglichen. Die Doppelbelastung von Anwaltsberuf/ Tätigkeit als wissenschaftlicher Kanzleimitarbeiter und Promotion sollten Sie jedoch nicht unterschätzen, genauso wenig wie die Chance, in der Praxis zu arbeiten und sich gleichzeitig durch eine Promotion weiter zu qualifizieren.

Eine spannende Option ist auch die promotionsbegleitende Mitarbeit an einem Lehrstuhl. Leider stellen die Universitäten immer weniger Mittel zur Verfügung, sodass man von dem Salär oft nicht leben kann. Auch hier empfehle ich Ihnen: Suchen Sie hartnäckig! Denn wenn Sie eine Stelle finden, von der Sie leben und neben einer wissenschaftlichen Arbeit voll im Universitätsalltag aufgehen können, indem Sie bspw. Lehrveranstaltungen halten oder an einem wissenschaftlichen Werk mitarbeiten, dann hat das seinen ganz eigenen Charme. Viel arbeiten werden Sie auch hier, aber die Taktung in der Wissenschaft ist in den allermeisten Fällen eine andere als in der Praxis. Auf der Hand liegt, dass Sie, sofern es irgend möglich ist, für Ihren Doktorvater/Ihre Doktormutter arbeiten sollten: Wenn schon Wissenschaft, dann richtig!

Worüber promovieren?
Bei der Wahl des Themas für Ihre Promotion schließt sich der Kreis meines Beitrags: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wenn Sie schon ganz klar ein Rechtsgebiet, die passende Kanzlei(art) und Mandantenstruktur vor Augen haben, dann sollten Sie natürlich versuchen, ein praxisrelevantes Thema zu finden, welches Sie als künftigen Experten für diese Rechtsfrage empfiehlt. Diesen Weg sollten jedoch nur Kandidaten wählen, die schon sehr konkrete Vorstellungen und auch die Möglichkeit haben, sich mit einem Kollegen aus der Praxis zu dem Thema auszutauschen.

Wenn Sie demgegenüber noch nicht festgelegt sind, dann genießen Sie diese Offenheit, zurren Sie erst einmal die übrigen Rahmenbedingungen fest und gehen dann in den intensiven Austausch mit Ihrem/Ihrer Promotionsbetreuer/ in, was das Thema betrifft. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass Sie gegebenenfalls Anregungen Ihres Doktorvaters/ Ihrer Doktormutter aufgreifen können. Es dürfte auf der Hand liegen, dass ein eigenes wissenschaftliches Interesse besteht, wenn Ihnen von Ihrer Doktormutter/Ihrem Doktorvater ein Thema nahegelegt wird. Diese Interesse wird Ihnen bei der Betreuung Ihrer Arbeit sicher nicht zum Nachteil gereichen. Und auch wenn Ihnen das vorgeschlagene Thema erst einmal gar nichts sagt, überschätzen Sie das nicht! Wenn Sie sich erst einmal zwei Monate intensiv mit Ihrem Thema beschäftigt haben und zum „Experten unter den Experten“ heranwachsen, dann kommt die Motivation von ganz alleine.

Und noch ein kleiner Rat zum Schluss: Backen Sie bei der Themenwahl eher „kleinere Brötchen“. Wenn das Thema zu groß ist, ist die Gefahr, dass Sie sich in der Breite der Thematik verlieren, deutlich größer!

Die Herausforderungen und Fallstricke auf dem Weg zum erfolgreichen Abschluss einer Promotion könnten hier noch endlos weitergeführt werden. Für all jene unter Ihnen, die das Thema Promotion beschäftigt, bieten diese Ausführungen zumindest einen ersten Denkanstoß, der in die eine oder andere Richtung führen wird.

Karriereplaner - Ausgabe: WS 2014/2015