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Betty Heidler, Europameisterin 2010 in Barcelona im Hammerwurf und Studierende der Rechtswissenschaft an der Goethe-Universität

Die Fragen stellte für Sie Jessica Kuch, Redakteurin Multimediasystem Öffentlichkeitsarbeit, CAMPUSERVICE der Goethe-Universität

Die Goethe-Universität gratuliert Ihnen herzlich zu ihrer Goldmedaille im Hammerwurf bei der Leichtathletik EM in Barcelona. Frau Heidler, seit wann machen Sie Leichtathletik bzw. Hammerwurf?
Mit der Leichtathletik habe ich im Alter von 14 Jahren, also 1998 begonnen 1 Jahr später, 1999 mit dem Hammerwurf.

Wie sind Sie zum Leistungsport gekommen?
Zum Sport bin ich durch meine damalige beste Freundin gekommen, die mich einfach auf den Sportplatz mitgenommen hat! Nach einem Jahr des Ausprobierens verschiedener Disziplinen wurde ich dann von meinem damaligen Trainer entdeckt und in eine Wurfgruppe gesteckt, in der ich alle Grundlagen für das Hammerwerfen gelernt habe.

Welche Erfolge können Sie bereits aufweisen?
Bis zu meinem 17. Lebensjahr lebte ich mit meiner Familie in Berlin – Marzahn. 2001 kam ich nach Frankfurt in das Sportinternat. Seit dem kann ich von regelmäßigen Erfolgen sprechen. Hier die aktuellsten:
2010: 1. Platz Europameisterschaft Barcelona,
2009: 2. Platz Weltmeisterschaften Berlin, Studentenweltmeisterin, Deutsche Hochschulmeisterin,
2007: 1. Platz Weltmeisterschaften Osaka.
Und seit 6 Jahren bin ich ununterbrochen Deutsche Meisterin.

Wie oft die Woche trainieren Sie?
Zum jetzigen Saisonzeitpunkt 8 – 10 Trainingseinheiten pro Woche zu jeweils 2 Stunden. Sie sind nicht nur Profisportlerin, sondern auch Studierende an der Goethe-Universität. Seit wann studieren Sie, was studieren Sie und warum an der Goethe-Universität? Da Frankfurt mein sportlicher Lebensmittelpunkt ist, studiere ich seit dem Wintersemester 2008/09 Rechtswissenschaft an der Goethe-Universität.

Warum gerade Jura und was wollen Sie nach dem absolvierten Studium damit machen?
In meiner vierjährigen Ausbildung bei der Bundespolizei haben mich die juristischen Themenstellungen besonders interessiert. Beruflich ist die Verbindung für mich reizvoll, ohne dass ich konkrete Pläne habe.

Wie lässt sich Profisport und Studium vereinbaren?
Das ist ein sehr komplexes Thema im deutschen Sport.
Zum Stichwort „Duale Karriere“ gibt es zahlreiche Untersuchungen und Forschungsprojekte des Bundesinstituts für Sportwissenschaft und des Deutschen Olympischen Sportbunds.
Hochleistung im Sport ist durch jahrelangen intensiven Leistungsaufbau und spezielles Training mit einem enormen Zeitaufwand verbunden. Berücksichtigt man neben den reinen Trainingszeiten auch die sportwissenschaftlich unbedingt erforderlichen Phasen der Regeneration und Physiotherapie sowie die sportpsychologische Betreuung, so ist ein Zeitaufwand von bis zu 40 Wochenstunden und mehr realistisch. Die Vorstellung ergänzend dazu eine schulisch – berufliche Ausbildung, Studium, Berufsausbildung oder gar den Berufseinstieg zu bewältigen, macht den Spitzensport zu einer höchst bedenkenswerten Angelegenheit.

Die Notwendigkeit der beruflichen Karriere Priorität einzuräumen liegt für die meisten Athletinnen und Athleten nahe, da sie in den olympischen Sportarten trotz herausragender sportlicher Erfolge nur selten eine wirtschaftliche Absicherung erreichen, von einer Zukunftssicherung ganz zu schweigen. Es wird für viele Spitzenathleten zur Gewissensfrage: Sportliche oder berufliche Karriere?

Ich habe mich für das Bundespolizeileistungssportprojekt in Cottbus entschieden, das mir eine Berufsausbildung ermöglicht und mir darüber hinaus alle Freiräume für den Sport, für Training und Wettkampf lässt.

Das Präsenzstudium an einer freien Universität ist außerordentlich schwierig. Wenn sie den Trainings- und Wettkampfplan eines Spitzenathleten und den Vorlesungsplan nebeneinander legen wird das offensichtlich. Daher habe ich mich für ein Teilzeitstudium entschieden und eingeschrieben.

Ohne das Wohlwollen und den Willen der Universität, aller Lehrkräfte und der Prüfungsämter, eine adäquate Studiengangsgestaltung für Athleten als Beitrag zur Spitzensportförderung in Deutschland zu verstehen und umzusetzen, geht es nicht Sport und Studium auf internationalem Niveau zu vereinen.

Was bedeutet ein Teilzeitstudium für Sie?
Dank der Kooperation der Goethe-Universität mit dem Olympiastützpunkt Hessen und dem daraus erwachsenen Verständnis für die Belange der studierenden Spitzensportler, kann ich die Studienzeit strecken, über einen verlängerten Zeitraum studieren und mein Studium dem Trainings- und Wettkampfsplan anpassen.

Wie sieht es mit Klausuren aus, wann schreiben Sie die?
Die muss ich, wie alle anderen Studierenden auch, normal mitschreiben. Da gibt es keine Ausnahmen.

Meinen Sie Profisport und die Berufswelt lassen sich vereinbaren? Oder anders gefragt, wie lange kann man den Sport als Hammerwerferin ausüben?
Nein, Profisport und reguläres arbeiten lassen sich definitiv nicht vereinbaren. Das Hammerwerfen kann man, Gesundheit vorausgesetzt, mit noch über 30 Jahren auf einem sehr guten Leistungsniveau ausüben. Danach ist noch genug Zeit für den Beruf.

Haben Sie einen Motivationstipp für die Studierenden?
Ihr solltet euch Ziele setzen! Planen wie diese Ziele am besten zu erreichen sind, diese Pläne umsetzen und eigene Wege zu diesem Ziel finden.Und ganz wichtig: Bei allem aber den Spaß nicht vergessen und zu kurz kommen lassen!

Karriereplaner - Ausgabe: WS 2010/11